Screenshot: Tesch

Am geplanten Businesspark zwischen Oberpullendorf und Steinberg-Dörfl sollen sich möglichst viele Gemeinden des Bezirkes beteiligen. In den neuen Handelsbetrieben könnten 200 Arbeitsplätze entstehen.

Das Ziel ist klar formuliert. „Es soll im Mittelburgenland ein gemeinsamer Wirtschaftsraum entstehen, von dem alle Gemeinden des Bezirkes Oberpullendorf langfristig aus den Kommunalsteuereinnahmen des Businessparks profitieren können!“ So steht es wörtlich im „Fact-Sheet“, das die Bürgermeister oder Vizebürgermeister aller Gemeinden des Bezirkes bei einem Treffen im Sommer mitbekommen haben. Darin sind nachvollziehbare Schritte und viele Argumente formuliert, die die Gemeinderäte zur Zustimmung bewegen sollen.

Angebot an alle Gemeinden

Konkret geht es um 77.000 Quadratmeter Ackerfläche entlang der S 31, auf der ein neues Betriebsgebiet geschaffen werden soll, in dem hochwertige und wettbewerbsfähige Betriebsflächen und Arbeitsplätze entstehen.

Ursprünglich hatten die Nachbarorte Oberpullendorf und Steinberg-Dörfl vor, gemeinsam ein Betriebsansiedlungsgebiet zu schaffen. Nun hat sich – nach den Gesprächen und Begehungen hinsichtlich Raumplanung, Landschaftsschutz und Bodenversiegelung – das Land dazu geschalten und ein großes Projekt ins Visier genommen.

„Businesspark“ geplant

Es werde kein Gewerbe- und Industriepark entstehen wie in Neutal, skizziert der Oberpullendorfer Bürgermeister Rudolf Geißler das Projekt: „Hier werden in erster Linie Handelsbetriebe gesucht, deshalb auch die Bezeichnung Businesspark.“ Ob das nicht eine Konkurrenz zum Handel im Stadtzentrum sein könnte? „Es handelt sich um Leitbetriebe, die ausdrücklich nur an diesem Standort interessiert sind und die sich nicht im Ortsgebiet von Oberpullendorf ansiedeln würden“, stellt ÖVP-Bürgermeister Geißler klar.

200 Arbeitsplätze

Klaudia Friedl, die SPÖ-Bürgermeisterin von Steinberg-Dörfl, freut sich, dass aus der Idee eines lokalen Betriebsansiedlungsgebietes ein regionaler Businesspark wird: „Es wäre großartig, wenn wir es hinkriegen, 200 Arbeitsplätze in unserer Pendlerregion zu schaffen. Viele Mittelburgenländer müssten dann nicht mehr nach Wien oder zu anderen weiter entfernten Arbeitsplätzen pendeln.“ Insgesamt könne das Verkehrsaufkommen und der CO2-Ausstoß reduziert werden, hofft Friedl. Vielleicht lässt sich sogar ein Busnetz organisieren. „Man darf zwar nicht vergessen, dass in Handelsbetrieben viele Teilzeitkräfte beschäftigt werden. Doch für diese ist der Standort erst recht attraktiv, weil deren finanzieller Aufwand für das Pendeln überproportional hoch ist“, argumentiert die Bürgermeisterin.

Land engagiert sich

Es finden Gespräche und Verhandlungen statt, auch Begehungen vor Ort. Das Land schaltet sich ein in der Person von Landesrat Heinrich Dorner: „Zentrales Anliegen ist bekanntlich, Betriebe im Bezirk anzusiedeln, dadurch Arbeitsplätze zu schaffen und der Wirtschaft Impulse zu geben.“ Es beginnen Gespräche mit Bürgermeistern aller 28 Gemeinden, um diese für eine Beteiligung zu begeistern. Ziel ist ein Interkommunaler Businesspark. Das Management und die Vermarktung sollen sowohl national als auch international durch die Wirtschaft Burgenland, die WiBuG, erfolgen – unter der Dachmarke der Business-
parks Burgenland.

Interkommunalität

Landesrat Heinrich Dorner unterstützt die Bemühungen und denkt an ein Modell der Interkommunalität, also der gemeinsamen Beteiligung von mehreren Gemeinden. Vergleichbare Modelle würden schon beim Technologiezentrum in Neutal oder beim Businesspark in Heiligenkreuz umgesetzt: „Jene Gemeinden, die sich am Businesspark beteiligen, würden sich dazu bereit erklären, einen Teil der Haftung für das Darlehen zu übernehmen, das zur Errichtung der Infrastruktur notwendig ist. Im Gegenzug erhalten sie in Zukunft anteilig Einnahmen aus der Kommunalsteuer.“

Dorner setzt sich dafür ein, dass sich möglichst viele Gemeinden beteiligen. Das bringe seiner Meinung nach für den gesamten Bezirk Vorteile. „Ziel ist es, hochwertige und wettbewerbsfähige Betriebsflächen und Arbeitsplätze zu schaffen, von denen nicht nur die Einwohner, sondern auch alle Gemeinden des Bezirkes Oberpullendorf langfristig profitieren können“, erklärt Landesrat Dorner und macht den Gemeinden Mut, dabei zu sein. „Bereits zwei Drittel der Gemeinden haben Interesse bekundet, am Projekt teilzunehmen. Und das Ziel ist weiterhin, dass der Bezirk in seiner ganzen Breite abgebildet ist, wodurch wir eine Vorreiterrolle in ganz Österreich einnehmen würden”, erklärt Landesrat Dorner – ein Mittelburgenländer aus Lackenbach.

Projektgesellschaft startet

Rudolf Geißler: „Die Idee finde ich sehr gut, dass Gemeinden zusammen arbeiten und dass sie bei der Abwicklung und Finanzierung keine Arbeit damit haben.“ Der laufende Betrieb des Businessparks erfolge nämlich über eine neue, zu gründende Projektgesellschaft, an der die WiBuG – also das Land – mit 70 Prozent und die Gemeinden mit 30 Prozent beteiligt sind, erklärt Geißler. Diese Projektgesellschaft kümmere sich unter anderem um den Ankauf und die Finanzierung der Liegenschaften, die Durchführung und Finanzierung der Aufschließung des Areals, die Vermarktung der Betriebsflächen sowie um Buchhaltung und Bilanz.

Gemeinden gesucht

16 bis 19 Gemeinden dürften ernsthaft interessiert sein. Die aktuelle Kalkulation geht davon aus, dass alle 28 Gemeinden mitmachen. Die Besicherung der notwendigen Bankkredite erfolgt im Verhältnis der Gesellschaftsanteile. Jede Gemeinde würde die Haftung für knapp 50.000 Euro übernehmen. Bei den laufenden Kosten würde das Land nicht mehr mitzahlen. Bei 28 Gemeinden würden auf jede Gemeinde jährlich 2.500 Euro entfallen. Soweit die Kosten. Bürgermeister Rudolf Geißler denkt auch schon an die Einnahmen aus der Kommunalsteuer: „Unsere vorsichtige Annahme ist, dass sich für die Gemeinden alles in sieben Jahren bezahlt machen soll.“

Erste Ansiedelungen 2022

Die Wirtschaft Burgenland GmbH rechnet mit den ersten Betriebsansiedelungen für Mitte 2022. Mit ersten ernsthaften Interessenten ist man schon im Gespräch. Bürgermeisterin Klaudia Friedl aus Steinberg-Dörfl ist zufrieden mit der Entwicklung und der Dynamik: „Ohne das Land wäre ein so gewichtiges Projekt deutlich schwieriger zu bewerkstelligen.“ Und Friedl ist froh, dass sie Firmen, die wegen eines aufgeschlossenen Betriebsgrundstückes bei ihr anklopfen, bald nicht mehr – so wie früher – abweisen muss. Wenn nämlich aus dem überschaubaren gemeinsamen Projekt mit Oberpullendorf der hochkarätige Businesspark für den ganzen Bezirk errichtet ist.