Foto: Schedl

Es sind einmalige Erlebnisse und fantastische Erfahrungen, wenn Benjamin Schedl Vögel beobachtet. Der junge, aufstrebende Naturfotograf schmeißt sich für ein „gutes“ Foto auch auf den Bauch. Und er wartet oft stundenlang, bis er mit seiner Profikamera abdrücken kann. Aber wie sonst hätte er Rosenstare, einen Eisvogel oder Bienenfresser ablichten können?

Im Gespräch mit dem 17-jährigen Benjamin Schedl spürt man direkt das Glück des Fotografen, eine rare Vogelart im Mittelburgenland entdeckt zu haben. „Auch zu uns kommen seltene Vögel. Man muss nur warten können. Für den Bienenfresser habe ich in Rattersdorf in meinem Zelt allein in der Nacht fünf Stunden ausgeharrt, bis der bei uns exotische Vogel um halb sechs Uhr früh angeflogen ist.“ (Foto oben)

Die Lust am Beobachten

Benjamin Schedl fotografiert bevorzugt Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum. Mit seinem Fahrrad geht er auf Erkundungstouren, die ihn bis zu 20 Kilometer weit weg von Liebing führen. „Am spannendsten ist der Frühjahrszug der Vögel und der Herbstzug, der übrigens gerade jetzt, Anfang September, voll im Gange ist“, berichtet der Bursch von seinen Beobachtungen. „Höchst interessant sind aber auch die Wintermonate, weil dann laufend Vogelarten in unserer Gegend vorbei schauen. Das ist abhängig vom Klima, von der Kälte im Norden. Ich entdecke im Winter die meisten Gast-Vögel rastend auf den abgeernteten Feldern.“

Ausgerüstet ist der Hobbyfotograf wie ein Profi: eine Kamera, die eine hohe Bildqualität garantiert, ein Teleobjektiv mit einer Brennweite von 500 Millimetern, ein zusammenklappbares Stativ und ein hochkarätiges Spektiv für die Beobachtungen. „Man muss sich natürlich auskennen bei Brennweiten, Blenden, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit“, erwähnt Schedl nebenbei. „Und man muss infiziert sein von der Lust am Beobachten – und Fotografieren.“

Am Anfang war die Kamera

Benjamin Schedl besucht den vierten Jahrgang der Handelsakademie in Oberpullendorf. Das Interesse für Vögel war immer schon vorhanden. Aber sie zu fotografieren, in ihrem natürlichen Lebensraum, hat er vor zwei Jahren begonnen. Auslöser war, dass er eine hochwertige Kamera geschenkt bekommen hat. „Mit der Kamera ist die Lust zu fotografieren stark gestiegen. Mit dem Fotografieren ist dann die Neigung zum Beobachten gestiegen. Und derzeit ist es mein großes Anliegen, neue Vogelarten zu entdecken.“

Erste Ausstellung

Im Spätherbst des Vorjahres hat Benjamin Schedl einige seiner Vögel-Fotos erstmals öffentlich gezeigt – und das gleich im Nationalpark-Informationszentrum in Illmitz. Ein Platz, wo erfahrene „Birdwatcher“, also Vogelbeobachter, aus vielen Ländern vorbei geschaut haben.

Für ein gutes Vogel-Foto hält der Fotograf eine Entfernung von weniger als zehn Metern für nötig. Ein gutes Tele allein reiche nicht. Ein Vogel ist für ihn ein Motiv mit schnellen Bewegungen. Dafür nutzt Schedl die Funktion der Serienaufnahme mit sechs Fotos in der Sekunde. Nicht einmal das reiche immer: „Für ein besonderes Tierfoto braucht man auch ein bisschen Glück.“

Benjamin meldet seltene Beobachtungen

Im Vorjahr begonnen, ist für Benjamin Schedl auch das sogenannte Kartieren des Sichtplatzes der Vögel zum Hobby geworden. Auf der offiziellen Online-Meldeplattform ornitho.at der Vogelschutzorganisation Birdlife Österreich gibt er seine interessanten Beobachtungen bekannt. Damit scheint er allein auf weiter Flur zu sein. „Ich bin offensichtlich der einzige im Bezirk, der Sichtplätze von Vögeln meldet. Mit meinen 24 Meldungen heuer bin ich sogar Zweiter in Österreich.“

Birdlife veranstaltet einen ständigen, offiziellen Wettbewerb, Vogelarten zu melden. „Der heimische Spitzenreiter hat – insgesamt in seinem Leben – 367 Vogelarten gemeldet, ich selbst aber auch schon immerhin 205“, gibt sich Schedl selbstbewusst. Sein Ziel ist es, im nächsten Jahr auf 300 Vogelarten zu kommen – wenn er dann schon den Führerschein hat. Diese Zeit sehnt auch seine Mutter Rita Schedl herbei, die ihn derzeit mit dem Auto zu den weiter entfernten Foto-Shootings führt: „Es ist schon eine Sucht, dieses Warten auf einen Vogel.“

Kleines Vogelparadies

Das Mittelburgenland sieht der Vogelbeobachter als einen attraktiven Platz für immer mehr Vögel. „Stare kennt jeder. Aber Rosenstare sind bei uns eine Seltenheit. Heuer habe ich einen starken Einflug mitverfolgt: Unter etwa 3.000 schwarzen Staren waren 10 Rosenstare mit mattrosa Gefieder“, sagt Schedl und deutet auf ein Foto. „Und in Unterloisdorf habe ich einen Seeadler fotografiert. Es sind aber auch andere Adler gesichtet worden: Fischadler, Schlangenadler und sogar ein Kaiseradler.“

Sein Hobby könnte für Benjamin Schedl bald der Weg zum Beruf sein. Er möchte nämlich Zoologie studieren, Ornithologe werden, Vogelforscher. Und vielleicht als „Kartierer“ arbeiten, für den Naturschutz oder die Forschung. Aber bis dahin werde er noch viele neue Vogelarten beobachten und fotografieren, meint Benjamin Schedl mit einem Hinweis für Foto-Amateure: „Übrigens, das beste Licht für das Fotografieren ist in der Stunde nach Sonnenaufgang und der Stunde vor Sonnenuntergang – und wenn es bewölkt ist.“