Honigproduzent Christian Hammer mit Landwirt Peter Zolles. / Foto: Tesch

Eine Augenweide sind sie in der Blüte, die riesengroßen Rapsfelder am Raidingbach. Aber nicht nur das. Sie sind ein Eldorado für 35 Bienenvölker aus der Oststeiermark. Ein Wander-Imker erzählt, warum er mit seinen Honigbienen auf Nektarsuche ins Mittelburgenland zieht.

Treffpunkt ist inmitten der Rapsfeldern am Ortsrand von Raiding. Christian Hammer, 43 Jahre alt, aus Sinabelkirchen, ist der Herrscher über 35 Bienen-Königinnen. Er freut sich über das Summen und Surren seiner rastlosen Völker. „Meine Arbeitsbienen sind acht bis zehn Stunden am Tag unterwegs. Intensiv beflogen werden die Blüten im Umkreis von einem Kilometer. Pro Ausflug aus dem Stock können es bis zu hundert Blüten sein, die besucht werden“, schwärmt Hammer. Deshalb stehen die 35 Bienenstöcke des Oststeirers — mit jeweils etwa 40.000 Bienen — inmitten der wogenden gelben Felder. „Die Bienen erkennen die Blüten, die den Nektar absondern, sie riechen ihn“, bewundert er die Fähigkeiten der Bienen, die wegen ihrer Funktion als Bestäuber von Bäumen und Pflanzen weltweit als die wichtigsten Nutztiere gelten.

Hobby-Imker schätzt Region

Christian Hammer ist ein Quereinsteiger in der Branche. Der diplomierte Wirtschaftsingenieur ist Techniker bei Siemens. Vor 14 Jahren hat er einen Bienenstock geschenkt bekommen. Für ihn war es der Start zu einem spannenden Hobby in der freien Natur. Seine Wanderrouten wählt er aus. In Raiding ist er zum zweiten Mal: „Die Gegend um Raiding ist eine sehr gute Honig-Gegend. Der Standort hat positive Wirkungen durch sein Mikroklima, durch die pannonischen Verhältnisse. Und es gibt in der Nähe Wasser für die fleißigen Tiere.“

Rapshonig ist beliebt

Hammer erzeugt mit seinen 35 Bienenstöcken mehrere Honig­sorten. Den Rapshonig schätzt er besonders: „Beim weißlich-gelben Rapshonig merkt man die Sonnenstrahlen. Es ist ein zarter Honig mit leichter Süße und leichter Würze. Dadurch ist er magenschonend und bei Kindern sehr beliebt.“ Beim Abfüllen unterstützt ihn seine Frau dabei, kräftig zu rühren, sonst würde aus dem anfangs flüssigen Honig eine harte Masse werden. Durch das Rühren werden die Kristalle zerschlagen und es bildet sich ein Cremehonig. Die Ausbeute hängt sehr von der Witterung ab. Trockenheit schadet. Er rechnet heuer mit 220 bis 250 Kilogramm Honig aus Raiding, den er als „Hammerhonig“ ab Hof, online und auf dem Bauernmarkt in Sinabelkirchen verkauft.

Bienen sind auch Bestäuber

Peter Zolles, der Raidinger Landwirt, der dem Hobby-Imker die Felder zur Verfügung stellt, gesellt sich zum Gespräch dazu. Zolles freut sich über die Aktivitäten des Imkers und der Bienen. „Es gibt Untersuchungen, nach denen der Ertrag eines Rapsfeldes ohne die Bienenbestäubung – also bei Bestäubung nur durch den Wind – um etwa 10 bis 20 Prozent geringer ausfallen würde“, weiß Zolles. Er macht auch mit am sogenannten RAPSO-Projekt, bei dem Rapsöl produziert wird, das „garantiert gentechnikfrei von der Saat bis zur Abfüllung“ ist. „Außerdem müssen wir Vertragsbauern an den Feldrändern entlang der Straße einen Blumenwiesenstreifen anlegen. Es ist schön zu sehen, dass sich auch hier die Bienen wohlfühlen.“

Immer auf Tournee

Es gibt die traditionellen Bienenvölker, die seit Jahrzehnten am selben Platz ihr Zuhause haben. Und es gibt solche, die mit ihrem Besitzer herumziehen, von Feldern zu Plantagen und Wäldern — wie eben Christian Hammer. Doch einfach zusammenpacken und sich anderswo niederlassen, das geht nicht. Es gibt strenge Vorschriften. Die Firma Hammerhonig holt sich regelmäßig eine Wanderbescheinigung in Graz — nach einer Untersuchung, dass keine Verseuchung seiner Bienenvölker vorliegt oder ähnliches. Und in den Orten, in denen er sich niederlässt, holt er sich beim Gemeindeamt eine Genehmigung.

Seine „Rapsbienen“ verlassen gestärkt nach zirka vier Wochen Raiding Richtung Süden. Ihr nächster Standort ist Lutzmannsburg. Dort erwarten sie Blüten der Akazienbäume. Der Wanderimker lobt auch die Stärken dieser Gegend: „Die Akazien von Lutzmannsburg haben ein Alleinstellungsmerkmal, doch leider hat der Frost heuer großen Schaden verursacht.”

Und dann stehen heuer noch weitere Stationen auf dem Programm: Obstplantagen in der Oststeiermark, Honigtau und Lindenblüten in Jennersdorf, Waldhonig in der Wechselgegend, Kastanienblüten in der Südsteiermark und Sonnenblumen in Weingraben. Ein arbeitsreiches Jahr für den Wander-Imker – und die Bienenvölker. Wobei die Arbeitsbienen von Raiding die ganze Tour des „Fremdgehens“ nicht mitmachen können. Das Leben einer fleißigen Honigbiene dauert etwa 40 Tage; nur eine Winterbiene kann bis zu 9 Monate alt werden.