Firmenchef Friedrich Trobolowitsch (links im Bild) und Entwickler Stefan Jordanich aus Unterpullendorf. / Foto: FT-TEC

Der Unternehmer Friedrich Trobolowitsch hat auf die Corona-Vorgaben schnell reagiert und innovative Gesichtsschirme entwickelt. Doch nun hat er zu kämpfen und ist enttäuscht von heimischen Großeinkäufern.

„Seit der Entscheidung der Bundesregierung, dass ab 15. Juni kein Mund-Nasen-Schutz, kurz MNS, gebraucht wird, ist der Absatz in Österreich eingebrochen. Deutschland geht derzeit einen anderen Weg und erlaubt − leider nur in zwei Bundesländern − die Gesichtsschirme als Ersatz. MNS ist dort weiterhin zu tragen“, beschreibt Friedrich Trobolowitsch die aktuelle Situation Mitte Juni. Sein Unternehmen, die FT-TEC Gruppe, liefere aber schon länger andere Produkte ins Ausland und könne diese Vertriebskontakte für den Absatz der neuen „FACEshields“ nutzen. „Zielmärkte sind natürlich Länder mit einer steigenden Zahl an Neuinfektionen in Europa, USA und Südamerika“, zählt Trobolowitsch auf.

Die anfänglich positive Stimmung durch die Bekanntheit und den steigenden Umsatz ist aber im Kippen. „Leider muss gesagt werden, dass die Produktionskosten für diese Produkte in Österreich sehr teuer sind – im direkten Vergleich mit Produkten aus dem asiatischen Raum und auch der Türkei, Ukraine oder Polen. Dadurch wird nach einer kurzen Phase, in der es geheißen hat, dass nur Produkte aus Österreich zählen, wieder vermehrt aus dem Ausland bezogen. Auch die Republik Österreich kauft noch immer Waren aus dem asiatischen Raum und bevorzugt leider nicht Firmen in Österreich“, merkt der innovative Unternehmer an.

Wieder neue Schutzschilder

In Neutal werden aber dennoch die Gesichtsschutz-Produkte weiterentwickelt. Es gibt inzwischen neue FACEshields für Kinder in extrem leichter Bauweise und Premium-Produkte für die medizinischen Bereiche. „Beide neuen Varianten sind seit Anfang Juni erhältlich und werden positiv angenommen. Unser Vorteil gegenüber anderen Marktbegleitern ist, dass unser Tragesystem sowohl für Premium als auch für das ECO-System einsetzbar ist.“ Einen Vorteil sieht Trobolowitsch auch darin, dass es im Hause eine eigene Konstruktion und einen eigenen 3D-Druck für Prototypen gibt, sodass man sehr schnell auf Marktveränderungen reagieren könne. Mit der neuen Maschine ließen sich bis zu 25.000 Gesichtsschilder pro Tag produzieren.

Kontaktloser Türöffner

Das Virus macht auch erfinderisch. „Wir haben einen speziellen Türöffner entwickelt, um den direkten Kontakt mit Türgriffen zu verhindern. Der Türöffner eignet sich für das Schieben des Einkaufswagen und als Münzspender für das Einkaufswagerl – und sogar als Bieröffner“, beschreibt der Firmenchef die Vorzüge seiner Innovation.

Sorge um „2. Corona-Welle“

Der Firmenchef erwartet in den nächsten Monaten eine leichte Erholung der wirtschaftliche Lage sowie den Rückgang der COVID-19-Verordnungen: „Wenn sich die Wirtschaft stabilisiert und keine weitere Welle von Verordnungen, Infektionen und dgl. auf uns zukommen, rechnen wir für 2020 mit einem Umsatzeinbruch von 45 Prozent. Dieser Rückgang gefährdet natürlich die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens.“ Friedrich Trobolowitsch ist aber besorgt hinsichtlich eines Wiederaufflammens der Corona-Ausbreitung: „Eine zweite Welle dieser Pandemie mit den gleichen Einschränkungen wie bei der ersten Welle würde die FT-TEC ohne finanzielle Unterstützung durch Bund und Länder sicher nicht überstehen.“

FT-TEC ist ein Unternehmen der Spritzgussindustrie für spezielle Anforderungen. Produziert werden Sicherheitsbauteile für die Eisenbahn, wie ÖBB, DB und Eisenbahnunternehmen auf der ganzen Welt. Zum Kerngeschäft zählen auch Kunststoffteile für die Automobilindustrie und maritime Notfallsysteme.

FT-TEC hat mehrere internationale Innovationspreise für die eigens entwickelten Produkte erhalten. Derzeit sind 26 Beschäftigte – von 35 vor dem Corona-Shutdown – in der Firmengruppe tätig. Die produzierten Schutzschilder sind eine Alternative zum Mund-Nasen-Schutz aus Stoffen, schützen auch im Augenbereich und Brillen laufen nicht an. Sie werden im Spritzgussverfahren hergestellt und sind beständig gegen Alkohol und Desinfektionsmittel.

Foto: FT-TEC