Mit verschiedenartigen Projekten belebt der Chef der „Oberwarter Siedlung“, Alfred Kollar, die Ortskerne der Gemeinden. Foto: OSG

Ein Musikerheim in der aufgelassenen Korbwarenfabrik oder Wohnungen mit Pflege-Betreuung. Eine Bank mit begrüntem Dach oder eine Arzt-Ordination im leerstehenden Gasthaus. Mit solchen Bauprojekten präsentiert sich die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft derzeit in jeder zweiten Gemeinde des Mittelburgenlandes. Triebfeder der Aktivitäten ist der Chef der Genossenschaft, Alfred Kollar. Mit seinen Projekten erfüllt er viele Wünsche der Gemeinden − allen voran eine Belebung des Dorfzentrums. Hans Tesch hat den innovativen OSG-Vorstand getroffen.

Der 58-jährige Alfred Kollar sucht seit jeher die Herausforderung. Weil ihm der Bau von normalen Genossenschaftswohnungen zu wenig war, sucht er seit mehr als 30 Jahren neue Tätigkeitsfelder für sein Unternehmen, die gemeinnützige Oberwarter Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft, kurz OSG. Kein noch so außergewöhnliches Projekt schreckt ihn ab. Zum Beispiel bringt er Mieter und Patienten in ein umgebautes Haus statt Hotelgäste: „Die Besitzerin des Hotel Burgenländerhof in Pilgersdorf wollte nicht mehr weitermachen. Wir haben übernommen und jetzt sind im Gebäude eine Arzt-Ordination und 7 Wohnanlagen untergebracht. Ab 340 Euro monatliche Miete hat man eine Wohnung beziehen können.“ Bürgermeister Ewald Bürger freut sich, jetzt ein Sozialzentrum mitten im Dorf zu haben, wenn er auch um sein Gasthaus trauert.

Rettung für Ortskerne

Kollar bekommt von Gastronomen und von Bürgermeistern laufend Wirtshäuser zur Sanierung und besonderen Verwertung angeboten. Wenn er zugreift, dann auch deshalb, weil er für sein Projekt eine jetzt schon verbaute Fläche nutzen kann. „Natürlich ist abreißen und neu bauen einfacher und häufig kostengünstiger. Aber wir versuchen zuerst, den Charakter des Hauses und der Umgebung zu erhalten“, erklärt er. „Etwas Positives haben die alten Wirtshäuser ja durchwegs alle: Sie liegen mitten im Dorf, vieles ist somit zu Fuß erreichbar und man kann auf die bestehende Infrastruktur zurückgreifen, wie Wasser, Kanal oder Strom­anschlüsse.“ Und Kollar ist es wichtig, die Gemeinde mit ins Boot zu holen. Sie könne mitreden beim Verwendungszweck oder bei der Fassadengestaltung und so würden die Ausfallhaftungen für die Wohnungen zwischen der OSG und der Gemeinde geteilt.

Inzwischen hat die OSG – eine der vier Wohnbaugenossenschaften im Lande – nach den Gastbetrieben Strommer in Oberpullendorf und Kappel in Pilgersdorf auch die Wirtshäuser Gregorich in Klostermarienberg, Töpfer in Mannersdorf, Szucsich in Oberloisdorf und Weber in Deutschkreutz übernommen. Und zuletzt das Gasthaus Pacher in Lutzmannsburg, in dem künftig eine Ärztin ihre Ordination haben soll, ein Tourismus-Büro wird untergebracht und Einheiten für „Betreutes Wohnen“ werden
geschaffen.

Geschäftsfeld Pflege

Neue Wohnungen und Reihenhäuser zu errichten, bleibt naturgemäß der Bereich mit der größten Nachfrage. Jetzt schon verwaltet die OSG im Bezirk Oberpullendorf mehr als 1.000 Wohneinheiten. Aber auch bei bestimmten Sozialeinrichtungen entwickelt sich die OSG zum Spezialisten: „Diese Region hat sich besonders um zukunftsrelevante Themen bemüht und bemüht sich nach wie vor. Hier denke ich zum Beispiel an das herausragende Projekt des Betreuten Wohnens mit Franz Drescher – zuerst in Raiding und jetzt kommt das Pflege-Kompetenzzentrum in Neutal.“

Mehr Projekte im Bezirk

Alfred Kollar baut praktisch überall im Burgenland. Zwei Drittel seines Bauvolumens verzeichnet er in den drei nördlichen Bezirken. Im Mittelburgenland sieht er gerade eine positive Entwicklung, eine ungewohnt dynamische: „Der Bezirk Oberpullendorf ist aus der Sicht der OSG der schwächste Bezirk. Wir haben hier die wenigsten Wohnungen, aber aktuell haben wir in 13 Gemeinden 18 Projekte am Laufen und wir haben in weiteren acht Gemeinden Projekte in unmittelbarer Vorbereitung − zum Beispiel in Piringsdorf die stillgelegte Korbwarenfabrik, wo wir das Gemeindezentrum unterbringen werden, das Musikerheim und „Wohnen im Alter“. Also hier tauchen neue Projekte auf in einer Anzahl, wie ich sie noch nicht erlebt habe.“

Der Bezirk sei scheinbar „munter“ geworden: „Hier sind sehr viele, die dahinter stehen, dass sich etwas bewegt. Ob auf politischer oder auf wirtschaftlicher Seite. Menschen, die hier etwas bewegen wollen.“ Übrigens: in 26 der 28 Gemeinden des Bezirks hat die OSG bereits gebaut; noch nicht in Unterrabnitz und Weingraben.

„Grünes“ Bauen ist Zukunft

Beim aktuellen Großprojekt im Zentrum von Oberpullendorf, dem Neubau der Zentrale der Raiffeisenbank Burgenland Mitte, wird eine andere, die grüne Strategie der OSG deutlich. Es wird nachhaltig gebaut, energieeffizient ausgerichtet, das Finanzcenter hat eine Photovoltaik-Anlage und das Flachdach wird extensiv begrünt. Eine Selbstverpflichtung nennt es der Unternehmensleiter Kollar: „Wir möchten uns sukzessive von den fossilen Brennstoffen verabschieden, auf Wärmepumpenlösungen umsteigen, um energieautark zu werden. Das grüne Bauen ist die Herausforderung für die Zukunft.“

Das Projekt in Oberpullendorf umfasst auch 16 Büros und Stadtwohnungen für Jung und Alt. „Nicht nur in Oberpullendorf: Leistbare Wohneinheiten sind immer dabei. An diesem Leitgedanken wird nicht gerüttelt“, bekräftigt Obmann Alfred Kollar. „Wir werden in Zukunft große Anforderungen der Ökologie zu bewältigen haben. Doch über allem steht bei der Genossenschaft das leistbare Wohnen.“

Erste in ganz Österreich

Der Erfolg der „Oberwarter“ sei kein Zufall – aber herzeigbar. „Im Vorjahr haben wir unser Bauvolumen im Neubau auf rund 140 Millionen Euro steigern können. Und das mit vielen kleinen Projekten im Burgenland, wo es keine Großstadt gibt“, sagt Unternehmens-Chef Alfred Kollar stolz. „Die OSG hat damit das möglicherweise höchste Volumen aller gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaften in ganz Österreich. Das ist beinahe unglaublich!“ Die Fakten Mitte 2020: 95 Mitarbeiter, 16.000 Wohnungen und Reihenhäuser in 155 Gemeinden von 171 im Burgenland. Jeder zehnte Burgenländer wohnt in einem Objekt der „Oberwarter“ − mehr als 35.000 sind es insgesamt.

Manager mit Leidenschaft

Die Bauwerke der OSG hätten ohne seine Zielgerichtetheit und seinen unermüdlichen Einsatz nicht in diesem Umfang zugenommen: Kommerzialrat Dr. Alfred Kollar, der zugleich Vorstandsobmann und Geschäftsführer der Genossenschaft ist. „Ich bin mit dem Unternehmen gewachsen und das Unternehmen mit mir“, kommentiert Kollar seinen Beitrag zur Performance.

Er sei jemand mit der „Denkweise eines Juristen“, sagt er über sich selbst, „der schnell analysiert und erst danach entscheidet.“ Wert lege er auf sein authentisches Auftreten. „Ich bin bodenständig geblieben und weiß, wo ich herkomme“, betont der Sohn eines Maurers, eines südburgenländischen Wochenpendlers. Und Kollar, der verheiratet ist und einen Sohn und zwei Töchter hat, deutet an, dass sein Erfolg auch mit enormem Einsatz verbunden ist. „Mein Arbeitstag beginnt um 3 Uhr 30 und endet meist nicht vor 21 Uhr.“ Der OSG-Chef bezeichnet sich als „Kontrollfreak“, der alles Wichtige im Unternehmen kennen möchte. Sehen lassen kann sich auch sein Jahrespensum an selbst gefahrenen Kilometern: 85.000.

Politik? – Nein, danke!

Leistbare Wohnungen schaffen, das ist der zentrale Leitgedanke des Managers. Aber nicht nur das: „Ich achte auf das Wohnumfeld, dass Menschen in der Region gehalten werden können, dass die regionalen Firmen zum Zug kommen, dass die burgenländische Wirtschaft gestärkt wird und dass zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.“ Alles Bestrebungen, die auch einem Politiker gut stehen würden. Kann sich Alfred Kollar, der schon kurz einmal SPÖ-Vizebürgermeister von Großpetersdorf gewesen ist und seit einem Jahr Präsident der ASKÖ im Burgenland ist, vorstellen, einem Ruf in die Spitzenpolitik zu folgen? Wäre das eine Herausforderung? „Dafür bin ich zu alt. Ich habe einen Beruf, den ich mit Freude mache und den ich nicht mehr eintauschen werde.“