Der „singende Pfarrer“ Franz Brei – hier mit Papst Franziskus in Rom – verlässt nach sechs Jahren die Pfarre Deutschkreutz-Neckenmarkt. Foto: Pfarre Deutschkreutz

Nach einem Jahr als römisch-katholischer Kaplan im Auseer Land und neun Jahren in Hatzendorf-Breitenfeld-Unterlamm in der Südost­steiermark verlässt Kreisdechant Franz Brei nun, nach sechs Jahren, seinen Pfarrverband Deutschkreutz-Neckenmarkt. Der 51 Jahre alte gebürtige Vorarlberger wird mit Anfang September Stadtpfarrer von Jennersdorf. Franz Brei ist als der „singende Pfarrer“ bekannt geworden, nachdem er bester Österreicher beim Grand Prix der Volksmusik geworden ist und – sehr erfolgreich – viele volkstümlich-spirituelle Lieder für insgesamt zehn CDs aufgenommen hat. Anlass für den Wechsel von der Südoststeiermark ins Burgenland waren Proteste von Bewohnern gegen Häufigkeit und Dauer des liturgischen Glockengeläuts in Unterlamm. Hans Tesch hat Franz Brei anlässlich seines Abganges zu einer Art Bilanzgespräch getroffen und nach Erinnerungen und Plänen befragt.

Herr Kreisdechant Brei. Wenn Sie auf die sechs Jahre im Mittelburgenland zurück blicken. Sind es Erinnerungen an gute Zeiten, hat es auch schlechte gegeben?

Schlechte Zeiten möchte ich nicht groß beleuchten. Es hat gute Zeiten gegeben in beiden Pfarren und auch manche kleinere Stromstöße, wenn man es so sagen kann, die nicht so angenehm waren. Aber generell war die Zeit – sowohl in Deutschkreutz wie in Neckenmarkt – eine Zeit, die mich sehr geprägt hat. In Neckenmarkt war das absolute Highlight die Audienz bei Papst Franziskus auf dem Petersplatz mit der Burschenschaft. Ich hab einmal gesagt: Burschen, die Fahne muss einmal für Papst Franziskus geschwungen werden. Sie haben mich damals ausgelacht. Und dann hab ich gesagt: Jetzt hobts a große Goschen und nachher werden euch die Knie schlottern. Und genau so war’s. Als die Burschen auf dem Peters­platz in Rom von den Schweizer Gardisten abgeholt worden sind, war wirklich so eine Nervosität da. Und die Begegnung mit dem Papst war wunderbar, unvergesslich. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit.

Und die Highlights von Deutschkreutz haben sich live im Fernsehen abgespielt?

In Deutschkreutz geschah auch etwas ganz Großes: am Palmsonntag vor einigen Jahren die Übertragung des Gottesdienstes im ORF und ZDF, das war ganz großartig. Ich muss sagen, das vergisst man nicht. Es sind auch Begegnungen in Erinnerung von den Vorbereitungen. Und es sind auch Momente von den Paldauer-Konzerten in der Pfarrkirche, die man überhaupt nicht vergisst. Alles war so eine besondere Vorbereitung auf Weihnachten, dieses so emotionale Fest. Wie die Musikgruppen uns in den Advent eingeführt haben. Und dazu kommt die Sanierung des 200 Jahre alten Fasten­tuches. Nicht vergessen möchte ich auch die Live-Übertragung der Messe in SERVUS-TV mitten in den Corona-Beschränkungen. Ja, es gibt schon viele Momente, die ich mitnehme in die Zukunft des Südens.

Gibt es beim Gehen etwas, von dem Sie sagen: Das hätt’ ich noch gerne gemacht?

Es gibt immer wieder Momente, in denen man sich fragt, ja, das hätte man vielleicht manchmal besser machen können oder da hätt’ man sich noch mehr Zeit nehmen können. Aber generell: Was will ich noch mehr machen? Es sind beide Kirchen renoviert, es sind alle Kapellen, vor allem auch in Neckenmarkt renoviert. Was will man mehr? Es darf jeder zufrieden sein – und ich glaub’, das sind auch die Leute in Deutschkreutz und Neckenmarkt. Ich höre jetzt mit gewisser Wehmut von vielen Leuten hier, dass ich weggehe. Ich bin dankbar für die sechs Jahre im Mittelburgenland. Und ich nehm’ auch viele tolle Impulse mit für den Süden, für Jennersdorf und die Umgebung unten. Man kann auch dazulernen!

Ist das ein kleines Eingeständnis, dass Sie jemand sind, der weiß, was er will und der das auch durchziehen möchte?

Das kann man unbedingt bejahen. Ich bin nicht der Typ, der nicht weiß, was er will. Ich bin nicht leutscheu. Ich bin derjenige, der versucht hinzuhören. In den geselligen Runden, nicht nur in der Kirche, wo man die Leute in der Sakristei vorbereitet auf die Gottesdienste, sondern auch nach der Messe, wo etwas ganz Wichtiges stattfindet. Nämlich auf die Menschen zuzugehen, mit den Menschen zu reden, auf die Anliegen der Menschen auch einzugehen. Ich will auch ein hörender Priester sein. Aber ich bin ein grader Michl. Ich weiß, was ich will, und ich weiß, was ich nicht will.

Sie haben auch polarisiert. Ist das richtig? Sie haben viele Fans gehabt und zugleich viele, die kritisiert haben, der Pfarrer sei sehr stur oder so ähnlich?

Einem Priester zu sagen, er hat polarisiert, würde ich eher umdeuten auf ein anderes Wort: er fordert heraus. Und die Menschen gehören heute kirchlich ein bisschen herausgefordert. Es hat jeder von Gott Talente und Begabungen bekommen und das schlechteste an den Menschen ist, wenn diese Begabungen nicht herausgeholt werden. Und das trau’ ich vielen zu. Den Mitarbeiterinnen, die ich hier gehabt habe im Mittelburgenland und auch dann wieder im Süden unten. Menschen haben Talente. Über die muss man reden und man muss sie herausholen und manchmal sogar heraussprengen – positiv gesagt.

Sie kehren ja heim in Ihre große Wirkungsstätte nach Unterlamm, wo Sie seinerzeit eine einzigartige Lourdes-Grotte
errichten ließen. Ist das auch ein bisschen ein Zurückkommen in die alte Heimat?

Das muss man richtigstellen: Ich kehre nicht heim nach Unterlamm, ich bin in Jennersdorf in der Nähe von Unterlamm. Und ich kehre auch nicht in eine Heimat zurück. Sondern dort, wo gute Menschen sind, dort ist Heimat. Ich hab Heimat erlebt im Mittelburgenland, Geselligkeit. Heimat findet man auch bei Menschen, wo man einfach gemütlich dasitzen kann und man redet über Dinge, die einem aus dem Herzen kommen. Da ist Heimat!

Sie sind ja gut befreundet mit dem Bischof, wie man sieht und weiß. Hat Sie der Herr Bischof gefragt, ob Sie nach Jennersdorf wollen? Oder war es eine Versetzung?

Nein. Beide Fragen, die gestellt wurden, muss man so beantworten: Es läuft immer folgendermaßen ab. Jedes Jahr führt die Personalkommission der Diözese Verschiebungen, Ernennungen und Versetzungen durch. Alles entscheidet der Bischof mit der zuständigen Personalkommission. Es gab einige Priester, die wurden vor mir befragt. Diese haben alle gesagt, sie wollen nicht nach Jennersdorf, sie wollen das nicht übernehmen. Und dann hat man mich gefragt, weil ich dort in der Region auf steirischer Seite tätig war und dann hab ich gesagt zum Bischof, zur Kommission: „Ja, ich nehm’ diese Herausforderung an.“

Werden Sie die jeden 11-ten des Monats abgehaltenen Lourdes-Marien-Feiern, die Sie hier in Neckenmarkt initiiert haben, auch in Jennersdorf machen?

Nein. Das mache ich bewusst nicht, weil es im Süden auf der steirischen Seite Unterlamm gibt mit der Nachbildung der Mariengrotte von Lourdes, die ich 2006 dort mit der Gemeinde habe errichten lassen. Und ich will da nicht provozieren und keine konkurrierende Feier machen. Ich hab’ für Jennersdorf schon eine neue Idee, die nicht in Richtung Pilger-Gottesdienst geht, sondern eine Sache, die ich noch nicht verrate.

Haben Sie beim Abgang für Neckenmarkt und für Deutschkreutz einen Ratschlag, den Sie segnend, grollend oder schmunzelnd geben?

Nein. Ich gehe segnend, mit tiefer Dankbarkeit für das, was ich erlebt habe. Es hat einige Stromstöße gegeben, wie es jedem Pfarrer geht, überall. Diese werden aber nicht groß hochgezogen bei mir. Ich bin dankbar für gute Menschen. Das Schöne, das ich hier mitnehme, nehm’ ich ganz gerne mit. Und es ist ja nicht so, dass ich irgendwo in eine russische Diözese gehe oder nach Afrika. Ich bin in der gleichen Diözese. Wenn man mich wieder im Mittelburgendland für einen Gottesdienst oder zu einer Feier will, bin ich gerne bereit heraufzufahren. Und jeder kann sich ins Auto, aufs Fahrrad oder aufs Motorrad setzen und mich in Jennersdorf besuchen.

Herr Kreisdechant Brei, ein Vergelt’s Gott für das Interview und viel Energie für die neue Wirkungsstätte.

PS: Nikolaus Abazie, der jetzige Pfarrer von Purbach, wird künftig den Pfarrverband Deutschkreutz-Neckenmarkt übernehmen. Abazie war bis 2017 Pfarrer im Pfarrverband Draßmarkt.

Die Erinnerung an Pfarrer Franz Brei wird auf jeden Fall das von ihm eingeführte wöchentliche Glockengeläute sein. An jedem Samstag und an jedem Tag vor einem Feiertag läuten um 17 Uhr in Deutschkreutz, Girm und Neckenmarkt die Glocken. Sie läuten den Sonntag oder den Feiertag ein.

Pfarrer Brei plaudert locker im Pfarrhof. Foto: Tesch

Bgm. Manfred Kölly Deutschkreutz

„Er hat vieles bewegt für Deutschkreutz, mit seiner Energie vieles bewegen können. Er war eine autoritäre Persönlichkeit und ist seiner Linie treu geblieben. Er hat sich nicht irritieren lassen – im Sinne: Allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann. Er wird uns fehlen!“

Foto: Kölly

Bgm. Hannes Igler
Neckenmarkt

„Der Wechsel war sehr überraschend für alle Neckenmarkter. Es ist schade für die Gemeinde. Durch seine Art und seine Arbeit hat Pfarrer Brei Renovierungsarbeiten bei Kirche und Marterln stark vorangetrieben. Zugleich hat er durch sein kompromissloses Engagement die Bevölkerung dazu bewogen mitzuarbeiten. In sechs Jahren hat er sehr viel bewirkt.“

Foto: Igler

Grete Patronovits
Ratsvikarin Neckenmarkt

„Die Stimmung in Neckenmarkt ist getrübt. Man fragt sich: Warum geht er? Man versteht seinen Abgang nicht. Bedauerlicherweise entfallen die Lourdes-Feiern jeden 11. des Monats, die Pfarrer Brei eingeführt hat. Sie waren immer sehr gut besucht – auch von Gläubigen aus den Nachbarorten.“

Foto: Pfarre Deutschkreuz