Landeshauptmann Hans Peter Doskozil überreicht Bürgermeister Rudolf Pfneisl das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich. Ein Gratulant beim Festakt ist ÖVP-Bezirksparteiobmann NR-Abgeordneter Niolaus Berlakovich. / Fotos: Öffentlichkeitsarbeit Bgld Landesregierung, Tesch

Rudolf Pfneisl hat eine rare Auszeichnung erhalten. Der ehemalige Bürgermeister von Draßmarkt wurde für 50 Jahre politische Arbeit für die Menschen in Gemeinde und Bezirk geehrt. Der Bundespräsident hat ihm das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen. Hans Tesch hat Rudolf Pfneisl getroffen – und danach dessen „Erfolgsrezept“ für ein Bürgermeisteramt verfasst.

50 Jahre Gemeindepolitiker

Rudolf Pfneisl weiß, wovon er spricht. Er ist nach 35 Jahren im Gemeinderat zum Bürgermeister gewählt und zwei Mal wiedergewählt worden. Nach fast 15 Jahren hat er 2017 im Alter von 69 Jahren sein Bürgermeister-Amt zurück gelegt. Er wollte Draßmarkt „lebens- und liebenswerter“ machen. 

Stolze Bilanz

Zufrieden blickt Pfneisl auf die Projekte zurück: von den neuen Aufbahrungshallen bis zur 50-Euro-Schulstarthilfe. Besonders stolz ist er auf das Pflegeheim des Hilfswerks und die Wohnungen, auf das Wegenetz und die Rückhaltebecken gegen Überflutungen sowie auf das Betriebsansiedlungsgebiet und die „Flamme des Friedens“ – ein Denkmal, enthüllt von Herta Margarete und Sandor Habsburg-Lothringen.

Hohe Auszeichnungen

Das Bürgermeisteramt zählt zu den verantwortungsvollsten und wichtigsten Funktionen in Österreich. Rudolf Pfneisl hat für seine Leistungen und dafür, dass dadurch eine funktionierende Dorfgemeinschaft aufrechterhalten wurde, vom Draßmarkter Gemeinderat einstimmig den Ehrenring der Gemeinde verliehen bekommen. Rudolf Pfneisl hat sich bei seinem Abgang bei allen bedankt, auch wenn „nicht immer alles eitel Wonne“ war. Im Gespräch mit BURGENLAND MITTE gibt er seinen 1.400 Dorfbewohnern die empfangene Wertschätzung zurück: „Es war eine Ehre für mich, euer Bürgermeister gewesen zu sein.“

Bürgermeister Rudolf Pfneisl 


„Meine Tipps für einen Erfolg als Bürgermeister.“

  1. Ein Bürgermeister muss Ziele haben. – „Es müssen konkrete Anliegen sein. Was will ich verändern – für die Menschen, für das Dorf, für die Umgebung?“
  2. Menschlichkeit gewinnt! – „Über den Erfolg entscheidet zu zwei Dritteln das menschliche Verhalten. Das gilt es zu beherzigen. Nur ein Drittel machen die Inhalte und Projekte der Gemeindepolitik aus.“
  3. Man muss die Leute gernhaben. – „Sei immer bereit, Wünsche der Menschen entgegenzunehmen. Und hilf, wenn es möglich ist! Man muss sich Zeit nehmen für die Gemeinde, über das Verpflichtende hinaus. Man sollte bei jeder Veranstaltung sein, egal bei welcher Partei.“
  4. Die Partnerin bzw. den Partner einbeziehen. – „Partner – erst recht, wenn man sie immer mitnimmt – werden mitdenken und wertvolle Rückmeldungen geben. Sie machen aufmerksam darauf, wo man aufpassen muss, und liefern oft den ersten Impuls für große Projekte.”
  5. Grüßen und Fragen stellen. – „Das ist ganz wichtig. Ich habe immer gefragt: ‚Wie geht’s?‘ Das war ein Hineinhorchen in das Volk. So habe ich erfahren, was die Bevölkerung will. Danach habe ich oft eine Woche darüber nachgedacht – und dann reagiert.“
  6. Menschenkenntnis ist hilfreich, Geselligkeit hilft weiter. – „Die Wirtshäuser sind unsere Kommunikationszentren. Ich war regelmäßig in den Lokalen, auch in den Ortsteilen Karl und Oberrabnitz. Dort habe ich mir auch einiges anhören müssen – aber mich der Kritik gestellt. Insgesamt müssen die Leute spüren, dass man das Amt mit Leib und Seele ausübt. Übrigens: Ich habe auf Bällen auch immer den Tanz eröffnet.“
  7. Aufmerksam sein, und auf die Kranken nicht vergessen! – „Ich habe regelmäßig Ortsbewohner im Krankenhaus besucht, zwei- bis dreimal im Monat war ich im Spital. Das ist eine besondere Form der Wertschätzung.“
  8. Ein Wahlprogramm ist umzusetzen. – „Ein Wahlprogramm ist eine Art Versprechen, das ist einzulösen. Sinnvolle Projekte müssen angegangen werden – auch wenn es vorübergehend ‚schadet‘.

    Ein Beispiel: Das große Kanalprojekt hat meiner Partei ein Mandat im Gemeinderat gekostet, obwohl ich eine unüblich hohe Förderquote erreichen konnte. Erst durch die Fertigstellung und die darauf folgende Verschönerung des Ortes hat sich der Zuspruch wieder eingestellt.“
  9. Der Bürgermeister muss die Richtung vorgeben. – „Ich war nur der Kapitän einer Mannschaft, aber ein gut vorbereiteter. Oft, wenn ich etwas vorgebracht habe, bin ich anfangs belächelt worden. Dabei habe ich Entscheidungen oder Genehmigungen manchmal schon in der Schublade gehabt.“
  10. Gute Mitarbeiter suchen! – „Ich habe in meiner ÖVP immer darauf geachtet, dass wir gute Gemeinderäte haben und dass die Gemeinderatsfraktion zusammenhält. Das muss sein. Wenn Konflikte da sind: zusammensetzen und ausdiskutieren. Ich habe die Konfrontation nie gescheut. Und ich habe darauf geschaut, dass die Gemeinderäte und Mitarbeiter das Gefühl bekommen haben, dass wir es gemeinsam geschafft haben.“
  11. Hinter einem erfolgreichen Bürgermeister steht ein tüchtiger Amtmann! – „Der Amtmann und der Bürgermeister müssen ein Herz und eine Seele sein. Alles muss ausgesprochen und ausdiskutiert werden. Besonders die anstehenden Personalentscheidungen.“
  12. Die Ortschaft zuerst! – „Mir ist es immer um Draßmarkt gegangen. Alle Vereine, auch die Kirche, habe ich gefördert und unterstützt. Und Wähler anderer Parteien habe ich nicht schlechter behandelt.“
  13. Drum prüfe, wer kandidieren möchte! – „Ich kann allen politisch Engagierten empfehlen, das Amt anzustreben. Doch sollten sich alle klar machen, dass Bürgermeister zu sein eine vereinnahmende Aufgabe ist. Ohne Einsatz gibt es keinen Erfolg. Gerade Quereinsteiger sollten sich vor der Kandidatur die Belastungen realistisch vor Augen führen.“