In der Zeit des Nichtstuns, wenn die Stoffe an der Luft hängen mussten, gingen die Färber oft ins Wirtshaus – sie „machten Blau“.
Fotos(9): Tesch

Chefin und Chef führen durch die Blaudruckerei Koo in Steinberg und erzählen von ihrem Handwerk und ihren neuen Plänen. Ein Interview mit dem Eigentümer Joseph Koo von Hans Tesch – inklusive Foto-Story.

Tesch: Herr Koo, Sie arbeiten mit renommierten Designern zusammen. Ihr Blaudruck ist in einer noblen Vitrine in der Wiener Sezession ausgestellt. Sie wurden in eine exklusive österreichweite Handwerkerplattform aufgenommen. Blaudruck scheint in zu sein. Spüren Sie das auch bei den Aufträgen?

Koo: Was wir merken, ist, dass handgemachte Produkte aus der Region wieder einen Wert erfahren. Eine Zeit lang war ja das Handgemachte nicht gefragt, Hauptsache, es war billig. Jetzt dreht sich das wieder. Es zählen das Regionale, die Langlebigkeit, die Nachhaltigkeit. Wir haben Kunden, die haben ein Blaudruck-Fiata vom Großvater noch daheim hängen.

Tesch: So positiv das klingt, kann man davon leben?

Koo: Diese Frage kriege ich öfters gestellt. Dann sage ich ganz einfach immer: Damit es so ist, müssen Sie uns etwas abkaufen. Es gibt einfache Fragen mit einfachen Antworten. Damit so etwas funktioniert, braucht man drei Säulen: Man muss eine Leidenschaft haben für das, was man tut. Beim Handwerk muss man schon zupacken. Dann müssen Sie es schaffen, alte Werkstätten, einen alten Betrieb zu erhalten. Wie bei einem alten Auto, einen Oldtimer müssen Sie auch restaurieren und reparieren. Und drittens müssen Sie jemanden finden, dem das gefällt und der das kauft. Es nutzt alles nichts, wenn Sie etwas haben, und das Interesse ist nicht da. Momentan geht es. Heute funktioniert es.

Tesch: Könnten Sie auch mehr machen?

Koo: Man muss am Boden bleiben. Es ist ein kleiner Betrieb. Es gibt nur zwei Küpen (Anm.: zwei Bottiche mit Indigofarbe, in die der Stoff getaucht wird), wir sind nur zwei Leute. Eine Vergrößerung kann man nicht wirklich planen. Wir wollen das ja noch mit den Händen machen. Unsere Stoffe werden zum Beispiel draußen von der Sonne und vom Wind getrocknet, nicht in einer Trocknungshalle. Diese Dinge spielen eine Rolle.

Tesch: Sie wollen Ihren Betrieb nicht erweitern?

Koo: Für uns ist wichtig: Es ist ein Handwerk. Und das kann man nur da drinnen machen. (deutet auf die Färberei) Wir wissen, was das für ein Aufwand ist, bis man 10 Meter Stoff produziert. Auch wenn man Tag und Nacht arbeitet und ich mir selbst Druck mache, man muss das ja in der Werkstatt färben. In unserem Fall ist die Produktion begrenzt. Und deswegen ist es etwas Besonderes! Wenn man das in riesigen Stückzahlen produzieren könnte, dann hätte es nicht mehr das, was es jetzt hat!

Tesch: Wo sehen Sie die aktuelle Herausforderung?

Koo: Wir dürfen nicht stehen bleiben. Wir bauen auf Altem auf, auf die Tradition mit Schurz und Fiata. Diese Wurzeln dürfen wir nicht vergessen, aber wir dürfen nicht nur dabei bleiben. Wir müssen neue Sachen machen, modische Sachen. Wir arbeiten mit Designern zusammen, und meine Frau Miriam kreiert Neues, mit eigenen Modeln und eigenen Stoffen. Sie malt, sie experimentiert. Wir machen exklusive Sonderanfertigungen, zum Beispiel für das Gustav-Klimt-Zentrum am Attersee.

Tesch: Sie sind von vielen Unternehmen der letzte Blaudrucker in Ostösterreich. Einer von den zwei letzten in ganz Österreich. Ist das ein Grund zum Feiern?

Koo: Freilich. 2021, wenn alles gut geht, feiern wir unser 100-jähriges Bestehen. Ein Handwerk, betrieben in drei Generationen. Stillgestanden ist die Werkstatt fast keinen einzigen Tag – mit allem Auf und Ab. Es hat Hochblüten gegeben: Schurz und Fiata waren ja fast in jedem Haushalt. Viele Betriebe haben von diesem Handwerk gelebt, nicht nur in Steinberg. In den 50er- und 60er-Jahren hat sich vieles verändert, da haben die meisten Betriebe zugesperrt. Bei uns sind die Eltern mit den Stoffen auf die Märkte gefahren. Durch dieses Marktfahren hat sich der Betrieb über die Jahre erhalten. Und jetzt sieht man, dass das Handgemachte, Produkte aus der Region wieder einen Wert haben. Jetzt merkt man, dass das wieder funktioniert. Früher ist der Blaudruck ein Arme-Leute-Gewand gewesen, jetzt ist es wie ein Luxusartikel. In Zeiten, wo sich die Preise in der Textilbranche so verändert haben, kann man in einer Nische arbeiten.

PS: Joseph Koo ist 60 Jahre alt, seine Frau Miriam 50. Der Sohn, der in vierter Generation die „Färberei“ übernehmen könnte, ist derzeit zehn.

Miriam und Joseph im Hof in Steinberg

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Miriam und Joseph Koo sind stolz darauf, dass sie ein altes Kulturerbe weiterführen können. „Unser Betrieb wurde 1921 – vor knapp 100 Jahren – von meinem Großvater gegründet. Heute sind wir eine der letzten in Europa, die nach dieser alten Technik Stoffe bedrucken und mit Indigo färben“, erklärt der 60-jährige Firmenchef. Übrigens: Die Bezeichnung „Färberei“ ist richtig, „Blaudruck“ ist nicht ganz exakt. Es wird nicht blau gedruckt, sondern blau gefärbt.