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Ob in Ruhelage, gleich neben dem Stadtzentrum oder am Waldrand mit unverbaubarem Panoramablick: Der Bezirk Oberpullendorf scheint das Eldorado für Häuslbauer zu sein. Der günstigste Preis liegt bei nicht einmal sieben Euro pro Quadratmeter, die teuersten kosten um die 100 Euro. Die billigen Baugründe werden von Gemeinden angeboten, die deutlich teureren von Privaten. Eine exklusive Übersicht von BURGENLAND MITTE.

„Traumgrund in einzigartiger, südseitig ausgerichteter Grünruhelage.“ Mit dieser Beschreibung wird auf einem Immobilienportal im Internet für ein Baugrundstück in Frankenau geworben. Für die 1.567 Quadratmeter werden 70.000 Euro verlangt, das ergibt umgerechnet einen Quadratmeterpreis von 45 Euro. Verkäufer ist ein Privater.

Ein Musterbeispiel für die Preise der Hausplätze im Bezirk. Die Preise der Privaten liegen beim Drei- bis Vierfachen der Preise, die die Gemeinden für ihre gezielt aufgeschlossenen Plätze verlangen. Frankenau-Unterpullendorf verlangt 14 Euro pro Quadratmeter. Die Grundstücke sind hier und anderswo meist zwischen 800 und 1.000 Quadratmeter groß.

Nikitsch lockt mit Niedrigstpreisen

BURGENLAND MITTE hat bei allen Gemeinden recherchiert. Es gibt ein eindeutiges Ergebnis: Die mit Abstand günstigsten Hausplätze sind die in der Großgemeinde Nikitsch. Nur sechs Euro und 54 Cent zahlen Interessierte pro Quadratmeter. Mit einem solchen Aktionspreis will die Gemeindeführung die Abwanderung stoppen und die Jugend im Dorf behalten. Allerdings steht aktuell nur noch ein Platz im Ortsteil Kroatisch Geresdorf zum Verkauf.

In der 1.350-Einwohner-Gemeinde Nikitsch findet sich aber noch ein anderes Extrem. Nach einem Versteigerungsverfahren ist zwischen den Ortsteilen Nikitsch und Kroatisch Minihof eine Siedlung entstanden. Die örtliche Raiffeisenbank hat 35 Bauplätze geschaffen, die von der Gemeinde aufgeschlossen wurden. Auffällig ist der „Schleuderpreis“ von 2,80 Euro pro Quadratmeter. Kein Wunder, dass die Plätze in der „Raika-Siedlung“ inzwischen alle verkauft sind. Aber laufend werden – wegen des Bauzwanges von zwei Jahren – Grundstücke zurückgegeben. Allerdings: Die Warteliste bei der Bank ist lang.

Fast überall günstige Preise

Mindestens doppelt so hoch wie in Nikitsch, aber immer noch niedrig, sind die Preise in der Hälfte der Ortschaften im Bezirk: von elf Euro pro Quadratmeter in Oberloisdorf und Weingraben bis zu durchschnittlich 20 Euro in Lackenbach. Überall mit „Bauzwang“. Das bedeutet, dass die jeweilige Gemeinde einen Zeitraum festlegt, innerhalb dessen mit dem Bau begonnen werden muss, und einen Zeitraum bis zur Fertigstellung – zum Beispiel in fünf Jahren.

Der Lackendorfer Bürgermeister Werner Hofer, SPÖ, registriert verstärktes Interesse durch den niedrigen Preis von zwölf Euro pro Quadratmeter: „Momentan wird wieder vermehrt nach Bauplätzen gefragt. Wir haben noch 16 Hausplätze frei. Es kaufen aber nicht nur Ortsansässige, auch Leute von außerhalb siedeln sich in Lackendorf an.“

Zwischen 21 und 31 Euro pro Quadratmeter verlangen zehn Gemeinden für ihre Bauplätze (siehe Tabelle). Preislich ganz oben rangieren Stoob mit 29 Euro und Neckenmarkt mit 31 Euro, wobei es deutliche Preis-
unterschiede sogar zwischen Ortsteilen gibt. In Kobersdorf liegt der Preis bei 27 Euro, im Ortsteil Oberpetersdorf hingegen bei 20  Euro und in Lindgraben bei nur 18 Euro. Ähnlich die Situation in Draßmarkt, wo im Ortsteil Oberrabnitz 15,30 Euro für den Quadratmeter verlangt werden, in Draßmarkt 25 Euro.

Bezirkshauptstadt mit moderaten Preisen

Der Amtsleiter von Oberpullendorf, Christian Stibi, skizziert die Strategie, leistbare Grundstücke anzubieten: „In Oberpullendorf gibt es derzeit Hausplätze um 37 Euro pro Quadratmeter – voll aufgeschlossen am Schlossberg. Die Gemeinde wollte mit diesem Preis bewusst einen Anreiz schaffen, dass sich Familien das Hausbauen in Oberpullendorf leisten können.“ Die Nachfrage sei groß, es gebe nur mehr wenige freie Grundstücke. Überlegt werde aber bereits, das Baugebiet zu erweitern, deutet Stibi an.

In Oberpullendorf sind auch die privat angebotenen Hausplätze relativ preiswert. So bietet Grabner Immobilien auf www.willhaben.at aktuell ein Grundstück „in Panoramalage“ um 73 Euro und ein zentral gelegenes Grundstück „in Ruhelage“ um 82 Euro pro Quadratmeter an. Im Ortsteil Mitterpullendorf gibt es private Hausplätze um 50 bis 60 Euro.

Deutschkreutzer Preise 

Die zweithöchsten Preise für ein Baugrundstück zahlt man in Deutschkreutz. Aktuell lässt es sich nicht direkt vergleichen, weil die Gemeinde Deutschkreutz selbst keine Bauplätze anbietet. Doch eine Auswertung von­ IMMOunited, dem Marktführer beim Analysieren von Grundbuchdaten, zeigt es deutlich. Aus neun Jahren, bis Ende 2017, wurden die Kaufverträge ausgewertet und Median-Richtwerte ermittelt. Demnach wurden für die Hälfte des Baulands in Oberpullendorf mindestens 43 Euro, in Deutschkreutz mindestens 41 Euro, in Stoob mindestens 32 sowie in Horitschon und Neutal mindestens 26 Euro bezahlt.

„Hier müssen wir bald
etwas machen, sonst
rennen uns die jungen Leute alle davon.“

Bürgermeister Manfred Kölly Deutschkreutz

Im Bezirk sind drei Gemeinden ohne eigene Gemeindeplätze: Deutschkreutz, Lutzmannsburg und Piringsdorf. Und sie bedauern das. Manfred Kölly, LBL-Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Deutschkreutz, verweist auf die Fehler der Vergangenheit: „Vor Jahren wurden 30 Hektar aufgeschlossen und die Bauplätze verkauft, aber leider ohne Bauzwang. Wir sind gerade in der Nachdenkphase, wie wir eine Lösung finden, um Bauplätze seitens der Gemeinde anbieten zu können. Hier müssen wir bald etwas machen, sonst rennen uns die jungen Leute alle davon.“

Was man in der Nachbargemeinde Horitschon offensichtlich merkt, wo viele Deutschkreutzer nach Bauplätzen anfragen, so Melanie Zach vom Gemeindeamt: „Wir sind gerade dabei, ein neues Gebiet aufzuschließen – mit 26 neuen Plätzen. Wir haben Gott sei Dank dieses neue Gebiet umwidmen dürfen. Momentan haben wir eine große Nachfrage, und das wird sicher noch mehr werden.“

Dabei hat auch Horitschon das Problem, dass viele Baugründe in privatem Eigentum sind und die Privaten nicht verkaufen wollen. Es gibt aktuell in Horitschon keinen Gemeindeplatz mehr, sondern nur mehr einen im Ortsteil Unterpetersdorf.

Lutzmannsburg hat „Immobilienbörse“

Die Thermengemeinde Lutzmannsburg hat aus der Not eine Tugend gemacht. Weil die Gemeinde keine Hausplätze zur Verfügung hat, wurde für Interessenten, die in Lutzmannsburg an Häusern und Grundstücken interessiert sind, eine „Häuserbörse“ auf der Website der Gemeinde eingerichtet. Hier können alle privaten Verkäufer kostenlos inserieren.

Seitens der Gemeinde wird ein Trend festgestellt, dass alte Häuser im Ortsgebiet gekauft und renoviert werden. Augenscheinlich ist, dass unter den Interessenten in Lutzmannsburg der Ausländeranteil – vor allem von Ungarn und Rumänen – sehr hoch ist.

Warum bieten die Gemeinden nicht mehr Bauplätze an?

Das Burgenland hat – wie der Bezirk – extrem hohe „Baulandreserven“. Nach einer Studie der Raumordnungskonferenz, sind 38 Prozent des im Bezirk gewidmeten Baulandes nicht bebaut.

Sehr markant scheint die Situation in Weingraben. Bürgermeister Peter Kohlmann, SPÖ, sieht für leistbares Wohnen im Ort schlechte Perspektiven: „Wir hätten in Weingraben genug Bauland für die nächsten zehn Jahre, aber leider sind 90 Prozent in privatem Eigentum. Das heißt, zusätzliche Umwidmungen durch die burgenländische Raumplanung sind leider nicht realistisch.“ Aber ohne neue Bauplätze würden künftig viele Gemeindebürger abwandern, meint Kohlmann.

Fazit: Gewidmetes Bauland gibt es genug im Bezirk, zu kaufendes Bauland ist in immer mehr Gemeinden rar geworden. Gemeinden, die wachsen wollen und ihren Bürgern leistbare Hausplätze anbieten möchten, müssen sich etwas einfallen lassen. Der Bau von Reihenhäusern und Wohnungen ist in vielen Fällen nicht die alleinige Lösung.

Die günstigsten Bauplätze der Gemeinden

Preise pro Quadratmeter, aufgeschlossen

1. Nikitsch 6,54 €/m²
2. Oberloisdorf 11 €/m²
3. Weingraben 11 €/m²
4. Lackendorf 12 €/m²
5. Unterfrauenhaid 12,30 €/m²
6. Kaisersdorf 13 €/m²
7. Steinberg-Dörfl 13 €/m²
8. Pilgersdorf 13–14 €/m²
9. Unterrabnitz-Schwendgraben 13–14 €/m²
10. Frankenau-Unterpullendorf 14 €/m²
11. Lockenhaus 15 €/m²
12. Mannersdorf an der Rabnitz 15 €/m²
13. Lackenbach 20 €/m²
14. Weppersdorf 21 €/m²
15. Markt Sankt Martin 21,50 €/m²
16. Ritzing 23 €/m²
17. Draßmarkt 25 €/m²
18. Neutal 25 €/m²
19. Raiding 25 €/m²
20. Horitschon 25,73 €/m²
21. Kobersdorf 27 €/m²
22. Stoob 29 €/m²
23. Neckenmarkt 31 €/m²
24. Oberpullendorf 37 €/m²

Ohne Gemeindeplätze;
private Hausplätze, aufgeschlossen:

Deutschkreutz 80–100 €/m²
Lutzmannsburg ab 25 €/m²
Piringsdorf ca. 30 €/m²

Gemeinde-Hausplätze, nicht aufgeschlossen:

Großwarasdorf 7,50 €/m²,
nur mehr ein Platz in Kleinwarasdorf