Vor der Abfahrt erklärt Norbert Pazmann die Besonderheiten beim Gas geben, Lenken, Bremsen und Kurven fahren. / Foto: Tesch

Die Erkundungstouren sind ein Erlebnis. Gefahren wird mit einem kleinen Geländefahrzeug mit vier dicken Ballonreifen. Das Fahrgefühl ist außergewöhnlich. Doch man braucht eine technische Einschulung, und beim Fahren ist volle Konzentration angesagt. Für diese Touren reisen jährlich Hunderte ins Mittelburgenland.

„Sie werden etwas Kraft brauchen“, erklärt Tour-Organisator Norbert Pazmann den Interessierten: „Das Quad ist kein Cabrio. Die Lenkung ist keine Servolenkung. Bitte lenken Sie mit beiden Händen, und bremsen Sie auch mit beiden Händen. Und volle Konzentration beim Kurvenfahren.“ So beginnt die Einschulung für die Ausflügler vor den startbereiten Quads in Raiding.

Vier Tour-Varianten

Jede Tour beginnt in Raiding. Der Klassiker ist die Blaufränkisch-Tour. Dabei geht es durch die Weingartenlandschaft nach Horitschon, wo bei der „Himmelsstiege“ ein Stopp angesagt ist. Für einen grandiosen Blick in die Weinregion – bis zum Schneeberg. Dann führt die Tour über Deutschkreutz, Neckenmarkt und Ritzing nach Lackenbach, wo im Wirtshaus ein kräftigendes Essen wartet. Und von dort geht es zurück nach Raiding.

Viereinhalb Stunden dauert diese Weinrieden-Tour. Ähnlich lange unterwegs ist man bei der Sonnenland-Tour, diese hat als Ziel den Mittelpunktstein des Burgenlandes in Großmutschen. Die Puszta-Tour hat über Feldwege einen eigenen Abstecher über die Staatsgrenze nach Ungarn im Programm. Und angeboten wird auch eine „Schnuppertour“ mit zwei Stunden; diese führt zur einmaligen Ruine Landsee. Zu 80 Prozent fährt man mit den Quads auf Güterwegen und unasphaltierten, unebenen Feldwegen, einige Abschnitte auf wenig befahrenen Landesstraßen.

Fahrten mit Begleitung

Sehr oft melden sich kleine Gruppen an, Stammtischrunden oder Partien, die Polterabend feiern oder einen Betriebsausflug machen.

Bei jeder Gruppe ab vier Personen fährt ein professioneller­ Guid­e mit, bei einer größeren Gruppe sind es sogar zwei fachkundige Reiseleiter. Begleitet werden auch Einzelpersonen und weniger als vier Personen; in diesem Fall ist jedoch für den Guide eine Pauschale von in Summe 50 Euro zu zahlen. Ansonsten kostet die Tour pro Person 100 Euro, für den Beifahrer 35 Euro. Im Preis inbegriffen sind neben Fahrzeug und fachkundiger Begleitung der Kraftstoff, Leih-Helme, die Reinigung des Quads, die Haftpflichtversicherung und die Nutzung einer Sturmhaube. Gefahren wird nämlich bei jedem Wetter. „In sieben Jahren haben wir nur zwei Touren absagen müssen, wegen eines Gewitters und eines extrem starken Regens“, resümiert der Organisator.

Führerschein B nötig

Betreiber der Sonnenland Quadtouren ist der Raidinger Norbert Pazmann. Er hat zehn Quads für seine Kunden im Einsatz; mit Beifahrern können also 20 Personen eine begleitete Tour mitmachen. Zwei Modelle stehen zur Auswahl, solche mit einer Motorisierung von 325 und solche mit 650 Kubikzentimetern Hubraum. Der Name Quad kommt vom englischen Wort quadricycle, was „Vierrad“ bedeutet.

Frauen geben Gas

„Quadfahren war früher ‚männlich‘, schildert Norbert Pazmann, der das Unternehmen vor sieben Jahren gekauft hat. „Heute ist unter drei Interessierten bereits eine Frau. Tendenz steigend. Und sogar eigene Frauenrunden buchen die Quads.“ Die Tourenfahrer sind meist zwischen 20 und 50 Jahre alt. Sie kommen aus ganz Österreich, und vereinzelt sind auch Urlauber aus Deutschland und der Schweiz dabei. Und alle dürften – so Tour-Chef Norbert Pazmann – das Erlebnis finden, das sie suchen: „Wir haben inzwischen eine große Zahl an Stammgästen, die jedes Jahr kommen. Und alle schwärmen vom Fahrvergnügen durch ein für sie ungewohntes Ambiente. Quadfahren ist für sie Abenteuer und Adrenalin pur.“