Foto: Scherz

Diese Frage stellt man sich nach dem Lesen einer aktuellen Studie. Der Bezirk liegt im „Zukunftsranking“ des Beratungsunternehmens Pöchhacker auf dem vorletzten Platz von 94 österreichischen Bezirken. Als Hauptgründe gelten der niedrige Anteil junger Erwachsener, die niedrige Geburtenrate, die niedrige Arbeitsplatzdichte, die niedrige Frauenerwerbsquote und der niedrige Akademikeranteil. Positiv bewertet die Studie die Lebensqualität, vor allem die niedrige Kriminalitätsrate und die vielen Kindergärten.

Wie zukunftsfähig sind Österreichs Bezirke? Diese Frage hat auch heuer wieder die Pöchhacker Innovation Consulting GmbH in Linz beantwortet. Der Bezirk Oberpullendorf schneidet dabei ganz schlecht ab. Er liegt – nur der Bezirk Gmünd ist noch dahinter – am vorletzten Platz aller 94 österreichischen Bezirke. Und gegenüber dem Vorjahr ist er um 18 Plätze zurückgefallen.

Die Grundlage für das Ranking bilden viele Einzelwerte, insgesamt 38 Indikatoren, die dann zu einer Platzierung zusammengeführt werden. Erfasst werden die vier Bereiche Demografie, Arbeitsmarkt, Wirtschaft & Innovation und Lebensqualität – und zwar jeweils die Dimensionen „Niveau“ und „Dynamik“. Johannes Scherk, B. Sc., studierter Volkswirtschaftler, einer der drei Autoren der Studie 2019, hat BURGENLAND MITTE die Gründe für das schlechte Abschneiden bekannt gegeben.

Niedrige Geburtenrate und wenige Jugendliche

Der Grund, dass Oberpullendorf nur im hinteren Feld des Rankings platziert ist, liege vor allem bei den Kennzeichen in den Bereichen Bevölkerungsentwicklung und Arbeitsmarkt, schreibt Johannes Scherk: „Bei den demografischen Indikatoren weist der Bezirk Oberpullendorf etwa nur eine unterdurchschnittliche Geburtenrate auf und liegt mit 1,36 Kindern je Frau im gebärfähigen Alter deutlich unter dem Durchschnitt aller österreichischen Bezirke (1,58 Kinder) und diesbezüglich nur auf Rang 88 unter allen Bezirken. Ebenso liegt der Anteil der jungen Erwachsenen (15–29-Jährige) an der Gesamtbevölkerung mit 14,2 % (Bezirksdurchschnitt: 17,0 %) nur auf Rang 86 im Ranking. Und auch beim Wanderungssaldo junger Erwachsener liegt der Bezirk Oberpullendorf nur im hinteren Feld; es ziehen – wie es für ländliche Regionen typisch ist – mehr Jugendliche weg als zu.“

Wenige Arbeitsplätze, wenige Frauen in Beschäftigung

„Bei den Arbeitsmarktindikatoren wirken sich unter anderem eine relativ niedrige Arbeitsplatzdichte (0,46 Erwerbstätige je Einwohner im Bezirk, Durchschnitt aller Bezirke: 0,66), eine geringe Erwerbsquote der Frauen von 15 bis 64 Jahre (70,3 %, Bezirksdurchschnitt: 73,2 %) sowie ein relativ niedriger Anteil an Erwerbstätigen mit tertiärer Ausbildung (9,7 % gegenüber 12,3 % im Durchschnitt) negativ auf die Platzierung aus.“ Zu den tertiären Ausbildungen zählen vor allem Abschlüsse von Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen.

Sehr wenig Kriminalität und viele Kindergärten

Bei der Lebensqualität kann der Bezirk aber punkten! „Sehr gut schneidet Oberpullendorf im Ranking insbesondere bei der Kriminalitätsrate mit den viertwenigsten Straftaten bezogen auf die Einwohnerzahl ab; und bei der Versorgung mit Kindertagesstätten liegt der Bezirk auf Platz 9 österreichweit. Und auch die Arbeitslosenrate hat sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt“, fasst Johannes Scherk die positiven Signale aus dem Zukunftsranking zusammen.

Wirtschaft mit weniger neuen Unternehmen

Es sind vor allem die wirtschaftsbezogenen Entwicklungen, die den Bezirk Oberpullendorf im Vergleich zum Vorjahresranking einige Ränge gekostet haben, führt der Mitverfasser der Studie Johannes Scherk aus: „Hier lag der Bezirk im letztjährigen Ranking noch auf einem sehr guten 18. Platz, im diesjährigen Ranking dagegen auf Platz 41. Dazu führten insbesondere ein starker Rückgang der Gründungsintensität von 6,77 Gründungen je 1.000 Einwohner 2016 auf 4,93 Gründungen im Jahr 2017, was den zweitstärksten Rückgang bei den Gründungen unter allen Bezirken entspricht, sowie ein Rückgang bei der Anzahl der aktiven Wirtschaftskammermitglieder je 1.000 Einwohner von 61,5 auf 60,8 Mitglieder (in den meisten Bezirken stieg dagegen die Anzahl der WK-Mitglieder).“ Und Scherk führt weitere negative Signale an: „Der Bezirk Oberpullendorf verlor noch weitere Plätze bei den demografischen Indikatoren, und auch die Indikatoren im Bereich Lebensqualität zeigten eine nachlassende Entwicklung bei den Kennzahlen. Dies betrifft etwa die Entwicklung der kommunalen Schulden im Bezirk, die gemessen an der Bevölkerung und entgegen dem österreichweiten Trend im Bezirk Oberpullendorf gestiegen sind, sowie eine überdurchschnittlich stark sinkende Ärztedichte im Bezirk.“

Bezirk hat Aufholpotenzial

Vieles an der Analyse wird politischen Amtsträgern, Funktionären und Unternehmern der Region bekannt vorkommen, einiges vielleicht auch als nicht nachvollziehbar erscheinen. Immerhin wird der Bezirk Jennersdorf „zukunftsfitter“ gewertet als alle anderen Bezirke, deutlich zum Beispiel auch vor dem Bezirk Neusiedl am See gereiht. Das Fazit, positiv ausgedrückt: Der Bezirk Oberpullendorf hat Aufholpotenzial. Und die Studie ist wertvoller Diskussionsstoff für Entscheidungsgremien und Stammtischrunden.

Platzierung der burgen­ländischen Bezirke

Nur die Freistadt Eisenstadt liegt im österreichischen Gesamtranking unter den ersten 20, auf dem guten sechsten Platz. Alle anderen Bezirke (inklusive Freistädte) liegen im letzten Drittel der 94 Plätze. 

Fünf burgenländische Bezirke haben sich in ihrer Platzierung verschlechtert. Steigerungen gab es nur im Nordburgenland. Der Bezirk Oberpullendorf gehört zu den Absteigern 2019.

6. Freistadt Eisenstadt (–3 Plätze)
63. Bezirk Jennersdorf (–17 Plätze)
65. Freistadt Rust (+19 Plätze)
66. Bezirk Oberwart (wie Vorjahr)
76. Bezirk Eisenstadt Umgebung (+5 Plätze)
80. Bezirk Güssing (–17 Plätze)
81. Bezirk Neusiedl am See (+5 Plätze)
83. Bezirk Mattersburg (–13 Plätze)
93. Bezirk Oberpullendorf (–18 Plätze)


Unangefochten auf Platz eins liegt Krems an der Donau – wie im letzten Jahr, in der ersten Studie der Pöchhacker Innovation Consulting. Hinter Oberpullendorf Letzter ist der Bezirk Gmünd in Niederösterreich, der im Vorjahr auch schon Letzter war.