Geschäftsführer Georg Pehm mit Studierenden / Foto: FH

38 Studentinnen stellt das Mittelburgenland – und den Chef, Georg Pehm aus Kobersdorf. Interessante Betrachtungen zum Jubiläum der Fachhochschule Burgenland.

Historische Momente sind selten. Die Verleihung der ersten Doktorate an einer burgenländischen Institution im Mai war ein solcher für den engagierten Geschäftsführer der Fachhochschule Georg Pehm: „Die erste Promotion stellt einen Meilenstein in der fast 100-jährigen Geschichte unseres Bundeslandes und in der 25-jährigen Geschichte der Fachhochschule Burgenland dar.“ Pehm ist stolz auf die Zusammenarbeit mit Universitäten aus sieben Ländern: „Das grenzüberschreitende Doktorratsprogramm positioniert uns als europäische Hochschule mit einem starken internationalen Netzwerk.“

Mittelburgenländerinnen fallen auf

Insgesamt sind es knapp 4.200 Studierende, die gerade an den Standorten Eisenstadt und Pinkafeld auf einen Studienabschluss hinarbeiten. Aus dem Mittelburgenland sind es 56. Allerdings: Von drei Studierenden, die aus dem Bezirk kommen, sind zwei Frauen – vergleichsweise viele. Konkret studieren 38 Frauen und 18 Männer. Der Frauenanteil liegt somit bei 68 Prozent, an der gesamten Fachhochschule macht er nur 54 Prozent aus. 

Was noch auffällt: Deutlich geringer ist der Anteil derer im Mittelburgenland, die überhaupt an der Fachhochschule Burgenland studieren. Und deutlich geringer ist auch der Anteil derer, die berufsbegleitend studieren.

Bei den Mittelburgenländern sind die Studiengänge „Internationale Wirtschaftsbeziehungen“ und „Internationales Weinmarketing“ am beliebtesten. Die zwei größten Orte des Bezirks stellen gleich ein Drittel der Studierenden: Aus Oberpullendorf kommen 10 und aus Deutschkreutz 8.

Der Chef ist Kobersdorfer

Geschäftsführer der Fachhochschule Burgenland ist Mag. Georg Pehm. Der heute 55-Jährige ist in Kobersdorf aufgewachsen. „Ich lebe nun schon seit 38 Jahren nicht mehr in Kobersdorf. Fragt mich aber jemand, woher ich komme, sage ich immer noch: aus Kobersdorf“, outet sich Pehm als Mittelburgenländer.

Georg Pehm gilt als ein „politischer Kopf“, er ist vielseitig, engagiert und zielstrebig. Sein Lebenslauf enthält viele unterschiedliche Stationen.

Chefredakteur, Politiker

Berufsbegleitend stud­ierte Pehm Volkswirtschaftslehre sowie Politikwissenschaft und Sozialrecht an der Uni Wien. Er war Chefredakteur der „BF“, Pressesprecher des Sozialministers in Wien und leitete die Büros von SPÖ-Regierungsmitgliedern in Eisenstadt. Als 40-Jähriger wurde Pehm Landesgeschäftsführer der SPÖ und Politiker. Ein Jahr war er Bundesrat, dann fünf Jahre Abgeordneter zum burgenländischen Landtag. Mit dem Fachhochschul-Sektor kam Georg Pehm erstmals vor 20 Jahren in Kontakt. Seit sieben Jahren ist Pehm Geschäftsführer der Fachhochschule Burgenland GmbH.

Erfolgsbilanz

Die Fakten 25 Jahre nach der Gründung: Heute studieren knapp 4.200 Menschen in mehr als 50 Studien- und Lehrgängen in Eisenstadt und Pinkafeld. Aktuell laufen mehr als 130 Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Allein in Lehre und Forschung sind fast 700 Personen beschäftigt. Absolventen gibt es insgesamt mehr als 7.800.

Ausbaupläne

Der Geschäftsführer sieht die Bildungsstätten für die Zukunft gewappnet. Es werde ausgebaut, wenn der Bund finanziert: „Die Digitalisierung ist eine Entwicklung, auf die wir reagieren. Wir verankern dieses Thema in den bestehenden Studiengängen und Ausbildungen.“ Zum Thema Gesundheit seien in den nächsten Jahren mehr Studienplätze geplant. „Und weil die Globalisierung mehr Führungskräfte für internationale Geschäftsbeziehungen verlange, werden wir mit einem neuen Studienangebot darauf reagieren.“ Eine bestimmte Größe sei jedoch nicht das Ziel, es gäbe keine Vorgabe, zu wachsen, stellt Pehm klar: „Unsere Kriterien sind eine gute Ausbildung und ein Bedarf der Wirtschaft. Und das, was wir tun, wollen wir noch besser machen!“

Warum Fachhochschule?

„Die Fachhochschule ist der Universität gleichwertig, aber andersartig“, argumentiert Georg Pehm. „An der FH gäbe es einen ganz eigenen Bezug zum praktischen, angewandten Wissen – neben einer guten Basis im wissenschaftlichen Bereich.

„Weitere Hauptargumente für die Fachhochschule seien die klaren Strukturen und die überschaubare Studienzeit von sechs Semestern für den Bachelor und weiteren 4 Semestern für den Master. Dazu kommt die persönliche Beziehung der Studenten zu den Professoren. Und man kann berufsbegleitend studieren“, nennt Pehm seine Gründe. Für Eisenstadt und Pinkafeld spreche weiters, dass keine Studiengebühren eingehoben werden und die Nähe zum Wohnort: „Wir machen es möglich, dass die Leute im Burgenland studieren können. Sie können täglich nach Hause fahren oder an Freitagen und Samstagen ganztägig studieren.“

Studium bringt Chancen

Dem Aufstieg der hochkarätigsten Bildungsinstitution im Land kommt auch der generelle Imagegewinn der Fachhochschulen in ganz Österreich zugute. Fachhochschul-Manager Georg Pehm verweist darüber hinaus auf den persönlichen Nutzen: „Die Absolventen haben die besten Chancen am Arbeitsmarkt und mit nur rund eineinhalb Prozent die niedrigste Arbeitslosenrate.“


anika nusshall
Foto: Nusshall

Anika Nusshall, BA

26 Jahre alt, aus Deutschkreutz

Masterstudiengang Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Financial Management, drei Jahre nach dem Bachelor

„Ich habe das Studium gewählt, weil es berufsbegleitend mit Lehrveranstaltungen am Wochenende und mittels Online-Lehre organisiert ist. Ich konnte dadurch meinen Vollzeitjob beibehalten. Noch während des Studiums habe ich den Arbeitgeber gewechselt und arbeite nun bereits im gewünschten Tätigkeitsfeld. Ich konnte die Studieninhalte gut mit meiner Arbeit verknüpfen.“


Teresa Schumitsch _Lisztweine Schumitsch-Stocker
Foto: Schumitsch

Ing. Teresa Schumitsch, BA

25 Jahre alt, aus Raiding

Masterstudium Internationales Weinmarketing, Absolventin der Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg; Jungwinzerin mit Sommelierprüfung.

„Ich verwertete das erworbene Wissen bereits laufend im eigenen 12 Hektar großen Familien-Weingut. Für besonders wertvoll halte ich die Praxisnähe des Unterrichts; wir haben sogar Fachexkursionen zu Weingütern in Frankreich, Portugal und Ungarn gemacht.“