Andreas Schlögl im Winterdinkelfeld in Oberrabnitz / Foto: Tesch

160 Bio-Bauern hat das Mittelburgenland. Und jedes Jahr kommen einige dazu. Jeder vierte Landwirt in der Region arbeitet bereits biologisch. Mehr als jeder vierte Hektar Ackerland wird hierzulande ökologisch bewirtschaftet. Es gibt Bio-Spezialkulturen und mustergültige Bio-Betriebe. Doch vieles ist noch auszubauen und zu entwickeln. Hans Tesch über die gegenwärtige Situation und die künftigen Herausforderungen.

Ein idyllischer Anblick. Auf der Weide außerhalb von Unterfrauenhaid grasen 25 gefleckte Kühe und an die 30 Kälber und Jungrinder – bewacht von einem muskelbepackten Stier. Freilich, von den Kühen des Bio-Betriebs Niklos kommt keine Milch in den Handel. Die Kühe werden nämlich nicht gemolken, die Milch wird an die Kälber verfüttert. Hier wird zartes, feinfaseriges Bio-Jungrindfleisch produziert.

Aus Gras wird Fleisch 

Zufrieden schaut der Bio-Bauer Manfred Niklos auf seine Herde: „Die Kälber bleiben nach der Geburt bei ihrer Mutter und leben hauptsächlich von der Muttermilch. Später bekommen sie auch Kleegras-Silofutter, Heu und Schrot aus Biogetreide.“ Die Fütterung sei einfach und biologisch: „Verboten sind Futterzusätze zur Wachstumsförderung und tierisches Eiweiß, ich darf vorbeugend keine Antibiotika zum Futter dazumischen und auch keine gentechnisch veränderten Futtermittel verwenden.“ Bevor die Jungrinder 12 Monate alt sind, verkauft er sie an eine Supermarktkette zur Schlachtung.

Der 59-jährige Manfred Niklos ist zufrieden mit seinem Umstieg auf bio vor 19 Jahren. Im Dorf wurde er anfänglich misstrauisch angeschaut – heute hat er einen Abnahmevertrag und muss sich keine Sorge um den Verkauf machen.

Manfred Niklos und seine Bio-Weiderinder / Fotos (2): Tesch

Was bedeutet BIO?

Biologisch wirtschaften bedeutet mehr, als auf Kunstdünger und chemisch-synthetische Spritzmittel zu verzichten. Begriffe wie naturnah, nachhaltig oder ursprünglich sind nicht gleichzusetzen mit „bio“. Die Bezeichnung „bio“ ist gesetzlich geschützt, es ist klar geregelt, was die Landwirtschaft tun darf und was nicht – und laufend wird kontrolliert. Biobauern wirtschaften idealerweise in möglichst geschlossenen Kreisläufen. Was im Betrieb anfällt, wird dort auch verwendet.

Grundlage ist ein gesunder und fruchtbarer Boden. Um diesen zu erhalten, wird auf jedem Acker Jahr für Jahr gezielt eine andere Frucht angepflanzt. Auf Gentechnik wird verzichtet. Tiere werden artgerecht gehalten, sie haben Auslauf ins Freie und erhalten biologisches Futter.

160 Bio-Betriebe im Bezirk

Bio ist in – nicht nur bei den Konsumenten. DI Ernst Trettler, Landesgeschäftsführer der Interessenvertretung Bio Austria, freut sich über einen Trend, den er im Mittelburgenland feststellt: „Es beginnt ein Umdenken. Die Stimmung für den Biolandbau ist besser geworden. Und die Bioproduktion wird inzwischen auch als wirtschaftlich erfolgversprechend angesehen.“

Der Trend ist sichtbar. Einerseits geht die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit Jahrzehnten stark zurück, zuletzt jährlich um zwei bis drei Prozent. Im Bezirk gibt es derzeit nur noch etwa 640 landwirtschaftliche Betriebe. Die andere Seite: Die Zahl der Bio-Bauern nimmt stetig zu. Vom letzten Jahr auf heuer um außergewöhnlich viel, um gut 10 Prozent auf aktuell etwa 160 Unternehmen.

Burgenland Nummer eins

Mit der Zahl der Biobetriebe steigt auch die ökologisch bewirtschaftete Fläche. Im Mittelburgenland sind es rund 25 Prozent. Burgenlandweit sind es sogar mehr als 30 Prozent, womit das Burgenland im Bezug auf die produktive Fläche das Bio-Bundesland Nummer eins in Österreich ist. Wenn man das hochgelegene Almgebiet hinzurechnet, ist Salzburg der Erste. Auch beim Anteil der Bio-Betriebe liegt das Burgenland mit 25 Prozent vorne, vor Niederösterreich und Oberösterreich. Im Österreich-Durchschnitt arbeiten 22 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe biologisch.

Stark: Dinkel, Hafer, Soja

Im Bezirk Oberpullendorf ist der größte Anteil der Ackerfläche – rund ein Drittel der 45.000 Hektar – mit Winterweizen bebaut, rechnet Johann Eichberger von der Landwirtschaftskammer vor: „Der Bio-Anteil der Weizenfläche beträgt allerdings nur 15 Prozent. Doppelt so hoch, nämlich bei 33 Prozent, liegt der Anteil beim Winterroggen.“ Und was sind die Top 3 der mittelburgenländischen Bio-Kulturen? Beachtlich hoch – nämlich bei 50 Prozent – liege der Bio-Anteil bei Sojabohnen, die zu einer typischen Bio-Kultur geworden sind. „Vom Anteil her an der Spitze liegen Sommerhafer und Winterdinkel, beide mit knapp 90-prozentigem Bio-Anteil“, rechnet Eichberger vor.

Immer mehr stellen um

Das Leben als Bio-Bauer beginnt mit einer Unterschrift unter den Kontrollvertrag bei einer der sieben akkreditierten Kontrollstellen in Österreich. Mit der Unterschrift hat sich der Betrieb strikt an die Vorschriften der EU-Bioverordnung und bestimmte Artikel im Österreichischen Lebensmittelkodex zu halten. Seine Produkte darf er erst nach zwei Jahren als „bio“ verkaufen, im Obst- und Weinbau erst nach drei Jahren.

„Aktuell sind etwa 20 Betriebe im Bezirk in der Umstellungsphase, darunter auch ein paar große Höfe“, erklärt Johann Eichberger von der Landwirtschaftskammer. „Nur im Bezirk Neusiedl am See sind es mehr.“ Im gesamten Burgenland waren es bei rund 1.100 Bio-Betriebe zu Jahresbeginn immerhin 66 Neulinge.

DI Ernst Trettler von Bio Austria, der in Oberpullendorf sein Büro hat, freut sich, dass gleich in 14 Gemeinden die Bio-Produktion neu Fuß fasst: „Dies sind Betriebe in Kalkgruben, Weppersdorf, Draßmarkt, Kaisersdorf, Landsee, Stoob, Piringsdorf, Pilgersdorf, Unterloisdorf, Lockenhaus, Großwarasdorf, Neckenmarkt, Deutschkreutz und Nikitsch.“ Trettler sieht darin sogar Anzeichen einer Trendwende: „Auch im Osten des Bezirkes stellen Ackerbauern um. In Nikitsch gibt es sogar schon vier Bio-Bauern!“

Keine Umstiegsprämie

Für die Umstellung auf biologische Produktion gibt es mehrere Gründe. Ernst Trettler ortet in den Beratungsgesprächen bei Bio Austria vor allem drei motivierende Auslöser: „Die Nachfolgegeneration hat neue Ideen, die sie verwirklichen will. Bauern suchen neue Perspektiven und besinnen sich auf traditionelle Werte. Und ein Großteil der Umsteiger macht es aus wirtschaftlichen Gründen, weil sie erwarten, im Biolandbau einen höheren Deckungsbeitrag zu erwirtschaften, mehr zu verdienen.“

Mit einem räumt der Bio-Experte gleich auf: „Es sind nicht die Bio-Förderungen, die zum Umstieg anregen. Es ist eher die wirtschaftliche Unsicherheit vieler Bauern, ob sich die herkömmliche Produktionsweise auch künftig rechnen wird.“

Ist bio rentabler?

Durch die Förderungen der EU sind die Bauern in den letzten 25 Jahren zu Unternehmern geworden, die genau rechnen und kalkulieren. Zusätzlich zu den Förderungen aus dem EU-Programm für die ländliche Entwicklung erhalten alle Betriebe auch aus dem österreichischen Steuertopf Förderungen für bestimmte umweltgerechte Maßnahmen. Bio-Bauern bekommen darüber hinaus sogenannte „Ausgleichszahlungen“ für ihre höheren Leistungen für die Umwelt. Bio-Bauern haben nämlich grundsätzlich einen höheren Aufwand und ernten geringere Mengen. Wenn sie auch höhere Preise für ihre Bio-Produkte erzielen, gleicht sich das meist nicht aus. Deshalb die Ausgleichszahlungen.

120 freiwillig bei Bio Austria

Bio Austria bezeichnet sich selbst als die größte Bio-Interessenvertretung Europas, mit 14.000 Mitgliedern und 400 gewerblichen Verarbeitern als Partner. „Bio Austria ist strenger als die EU-Bio-Richtlinie. Es können nur Betriebe dabei sein, die zu 100 Prozent bio sind. Ganz bio – oder nicht dabei!“, sagt Ernst Trettler, der in Horitschon wohnt. Im Mittelburgenland sind 120 Bio-Betriebe als Mitglieder registriert. Freiwillig, gegen einen Mitgliedsbeitrag.

Nicht nur Landschaftspfleger 

Bio-Experte Trettler geht sogar noch einen Schritt weiter: „Die Bio-Landwirtschaft wird künftig nicht mehr nur für die ‚Landschaftspflege’ bezahlt. Sie wird Geld dafür bekommen, dass sie der Gesellschaft gesundes Wasser, lebendige Böden und saubere Luft zur Verfügung stellt.“

Bio bringt bessere Preise

Die finanzielle Faustregel lautet: Bio bedeutet mehr Arbeit und eine kleinere Ernte – aber diese zu einem besseren Preis.

Bei vielen Produkt-Sparten stimmt das. Bei den Sojabohnen ist der Verkaufspreis rund doppelt so hoch. Mit Bio-Ferkeln erzielt man den doppelten Preis. Und der Preis für Bio-Milch ist trotz der deutlich gestiegenen Menge um rund 30 Prozent höher. 

Bei Tierhaltung stark

Im Mittelburgenland wächst praktisch alles, von Getreide bis zu Sojabohnen. Auch die Vielfalt der Bio-Produkte sei dementsprechend groß, stellt der Bio-Austria-Geschäftsführer fest. „Was das Mittelburgenland unterscheidet, ist die Tierhaltung. Hier wirtschaften sehr potente Bio-Betriebe, die auch burgenlandweit bedeutend sind.“ Trettler verweist auf Milchhöfe in Oberpetersdorf, Ritzing und Lackendorf, auf die Mutterkuhhaltung in Unterfrauenhaid, auf den Bio-Eier-Spezialisten in Markt St. Martin und die landesweit größte Bio-Ferkel-Zucht in Draßmarkt.

Übrigens: Beim Schweinefleisch hat sich bio österreichweit noch nicht durchgesetzt; nur 2 Prozent der Schweine sind bio.

Die Bio-Betriebe im Bezirk sind nicht so groß wie im Nordburgenland, mehr als 200 Hektar haben nur wenige. Der größte Bio-Bauer dürfte mehr als 500 Hektar bewirtschaften, der Durchschnittbetrieb rund 50 Hektar.

Foto Bio DI Ernst Trettler GF Bio Austria
Bio DI Ernst Trettler, GF Bio Austria / Foto: Tesch

Weinbauern ziehen nach

Knapp 19 Prozent der Weingartenfläche im Burgenland wird biologisch bewirtschaftet; mehr als in Niederösterreich und in der Steiermark. Burgenlandweit sind es rund 230 Betriebe mit rund 2.000 Hektar Bio-Weingärten. 

Im Blaufränkischland lassen sich die Winzer, die Bio-Weine in Flaschen füllen, an den Fingern der zwei Hände abzählen. In Horitschon sind es Franz Weninger, das Bio-Rotweingut Iby, Alfred Moritz und der Weinhof Bauer-Pöltl, in Neckenmarkt das Weingut Draxler, Bio in Deutschkreutz sind Albert Gesellmann und Thomas Weber sowie in Lutzmannsburg Roland Velich. Aber es gibt viele Newcomer. In der Umstellungsphase befinden sich die Betriebe von Monika Strehn und Gerhard Neubauer in Deutschkreutz, Dominik Gober in Hortischon und der Betrieb des jungen Stefan Wellanschitz in Neckenmarkt.

 Als Hindernis betrachtet man vor allem die im Bio-Betrieb verbotenen Pflanzenschutz-Maßnahmen gegen Krankheiten aufgrund extremer Wettersituationen. Schwefel- und Kupfer-Präparate dürfen in beschränkten Mengen zwar gespritzt werden, dem Bio-Winzer stehen aber keine wirksamen Mittel für „Reparaturmaßnahmen“ zur Verfügung.

Zuckerrüben als Versuch

Die Brüder Karall in Großwarasdorf sind seit 17 Jahren Bio-Bauern, mit mehreren hundert Hektar die größten im Bezirk. Sie suchen Marktnischen – und finden sie immer wieder. Derzeit testen sie, wie sich Bio-Zuckerrüben wirtschaftlich rechnen können. „Die Zuckerrüben sind extrem arbeitsaufwändig. Im Vorjahr haben wir erstmals getestet. 200 bis 500 Stunden Handarbeit sind pro Hektar nötig, um das Unkraut zwischen den Rübenpflanzen in der Reihe zu beseitigen. Die Arbeit ist teuer – und man findet keine Leute mehr fürs Arbeiten“, stellt Friedrich Karall nüchtern fest. Er arbeite aber an einer Lösung: „Heuer testen wir zum ersten Mal eine verrottbare Folie. Diese kostet 1.700 bis 2.200 Euro pro Hektar. Sie ist teuer, hat aber Vorteile: Nicht nur das Unkraut kommt nicht auf, die Rüben wachsen auch besser.“ Für Valentin Karall, der sich im Betrieb um die Finanzen kümmert, müsste sich noch einiges ändern, um einen akzeptablen Rohertrag zu erzielen. „Es müsste gelingen, die Kosten für die Folien zu senken, und die Agrana müsste für den Bio-Zucker mehr zahlen.“

Bei den Rübenbauern herrscht Alarm. Für den konventionellen Bauern ist die Zuckerrübenproduktion derzeit nicht kostendeckend. Bei einem Umstieg auf bio könnten Zuckerrüben künftig eine attraktive Feldfrucht sein.

Bild links: Friedrich Karall auf Rübenfeld mit Folie, Bild rechts: Valentin und Friedrich Karall / Fotos: Tesch

Fruchtsenf und Honigbier

Das Bio-Angebot ist groß. Man könnte ein vollwertiges, attraktives Bio-Menü anrichten, das nur aus Produkten aus der Region besteht. Von Wurst und Grammeln, Räucherkäse und Dinkelflocken bis Ribiselmarmelade und Quittensaft. Und angeboten werden auch rare Spezialitäten wie Bio-Hanfhonig oder Weinbergschnecken, Fruchtsenf und Honigbier. Alles Produkte, die ab Hof, auf Märkten des Bezirkes und darüber hinaus – auch auf Märkten in Wien – angeboten werden.

Milchbäuerin mit Hofladen

Christine Hofer hätte es einfacher haben können nach der Matura für Agrar- und Ernährungswirtschaft. An den Freitagen und Samstagen steht die Bio-Bäuerin oft um drei Uhr in der Früh auf, setzt den Sauerteig an, und um halb sechs ist das erste Brot fertig. Frisches Biobrot für die Kunden im eigenen Hofladen in Ritzing. Begonnen hat die engagierte Bäuerin die Verwertung und Veredelung ihrer Biomilch mit Frischkäse in Öl. Heute gibt es auch Butter, Topfen, Joghurt, Räucherkäse, Frischkäse, Topfenaufstriche, Rohrahm und Sauermilch. „Frische und Qualität sind das Um und Auf. Anders geht’s nicht. Und du musst jede Woche dieselbe Qualität produzieren“, nennt Christine Hofer ihr Erfolgsrezept. Ihr Einzugsgebiet geht bis in den Raum Wiener Neustadt, wo sie sogar ein Geschäft als „Großkunden“ hat.

Die Familie Hofer verarbeitet im Jahr 20.000 Liter Milch für Produkte, die im Hofladen verkauft werden. Ebenfalls 20.000 Liter gehen als Biomilch an die NÖM, die niederösterreichische Molkerei. „Pro Liter bekommen wir um 10 bis 13 Cent mehr als für konventionelle Milch bezahlt wird“, erwähnt die Bio-Bäuerin, die 8 Kühe und 11 Jungrinder am Hof hat. 

Foto BIO christine hofer in ihrem Bio-Laden in Ritzing
Christine Hofer im Hofladen / Foto: Tesch

Bio-Bewusstsein gefragt

Die Bäuerin, die von ihrem Mann, ihrer Tochter und ihrem Sohn unterstützt wird, ist trotz der vielen Arbeit zufrieden: „Man muss Tag für Tag dahinterstehen. Und von den Kunden bekomme ich die Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“ Sie hat aus dem eigenen Biogarten auch Marmeladen und Eingelegtes sowie Mehle, Haferflocken und Dinkelflocken sowie Produkte von drei Bio-Partnern. Ihr Credo: Kein Weizen bei einem Gebäck! Ihr Plan: „Noch stärker auf Selbstvermarktung setzen, aber langsam und gesund wachsen.“ Und vor all dem will sie den Kindern eine gesunde Umwelt weitergeben.

Die Ritzinger Bio-Bäuerin engagiert sich auch als sogenannte „Seminarbäuerin“. Vier bis 16 Stunden pro Woche erzählt sie in Volksschulen und Mittelschulen über die vielen Facetten der Bio-Produktion – oder macht informative Führungen auf ihrem Bio-Betrieb. Christine Hofer vermittle Bio-Bewusstsein. Leute wie sie tragen die Bio-Region, heißt es. Und von diesen gäbe es viel zu wenige.

Was noch fehlt 

„Beim Kern der biologischen Landwirtschaft, bei der Bewirtschaftung von immer mehr Flächen sind wir im Mittelburgenland auf einem sehr guten Weg“, zieht Bio-Austria-Geschäftsführer Ernst Trettler eine Zwischenbilanz. „Im Bezirk fehlen aber Verarbeitungsbetriebe, bäuerliche ebenso wie gewerbliche. Außerdem muss die Direktvermarktung verstärkt werden. Nur dann werden wir in der breiten Öffentlichkeit auch als Bio-Region wahrgenommen“, argumentiert Trettler. Und das Manko sei nicht zu übersehen, dass es keine Kooperationen und keine Vernetzung mit anderen regionalen Akteuren gibt: „Leider fehlt hier das gastronomische Bio-Angebot praktisch zur Gänze – und ebenso das touristische Bio-Angebot!“

Resümee: Wir marschieren in die richtige Richtung, sind aber noch lange nicht am Ziel. Nötig sind einige zusätzliche Anstrengungen. Zum Gipfel der Bio-Region Mittelburgenland ist noch ein steiles Stück des Weges zu gehen!

Foto Bio brigitte katona mit Bienenwabe in Lockenhaus

Bienenwachs-Tücher

Der Biohof Katona in Lockenhaus lässt Bienen aus 13 Stöcken für sich arbeiten. Und mit dem produzierten Wachs, Propolis, Honig und den Blütenpollen wurden von Brigitte Katona innovative Anwendungen geschaffen, wie eine umweltfreundliche Verpackung und eine Bienenluft-Inhalations-Anwendung. „Ich arbeite nach strengen Demeter-Richtlinien“, sagt die Bio-Bäuerin. „Der Brutraum muss im Sinne der Bienen geräumiger sein, und ich darf nicht den ganzen Honig entnehmen.“ Das Bienenwachstuch ist ein wiederverwendbares Frischhaltetuch. „Es ist eine umweltfreundliche Alternative zu Frischhaltefolie und Plastikverpackung. Man hält Lebensmittel auf natürliche Weise frisch.”

foto Bio Johann und Paul Schlögl mit Bio-Ferkel in Draßmarkt

Bio-Ferkel

Offensichtlich sauwohl fühlen sich die kleinen Ferkel im Bio-Betrieb Johann Schlögl in Draßmarkt. Sie liegen auf Einstreu, haben dreimal so viel Platz wie herkömmliche Ferkel, dürfen jederzeit zum Säugen und können immer an die frische Luft. 125 Zuchtsauen stehen in den Ställen. „Bio bedeutet, dass ich in meinen Stallungen nur ein Drittel bis halb so viele Ferkel züchten kann wie bei konventioneller Haltung. Und die Futterkosten sind wegen der Qualität und der längeren Fütterungsdauer doppelt so hoch. Ich muss aber auch sagen, ich werde dafür durch einen stabilen und höheren Preis entschädigt.“ Warum bio? „Das Geld war es nicht. Ich wollte als Landwirt ohne Gift arbeiten!“

foto Bio Andreas Schlögl mit Esel Oberrabnitz

Esel-Wandern

Ein Bio-Bauer mit Matura ist er, der Andreas Schlögl vom Archehof im Rabnitztal. Vor 24 Jahren ist er umgestiegen. 80 Hektar Ackerbau und 20 Hektar Grünland bewirtschaftet er. Doch sein Herz gehört seinen Tieren, vor allem den gefährdeten Haustierrassen: „Ich züchte die genügsamen und wenig krankheitsanfälligen Waldschafe und die fast ausgestorbenen robusten Turopolje-Mastschweine, die man auch im Winter auf der Weide halten kann.“ Stolz des Biohofes ist ein im Hause gezüchteter Noriker. Beliebt bei den Schülern wie den Pensionisten sind seine Esel, mit denen er fachkundige Führungen in der Umgebung und außergewöhnliche Kindergeburtstagsfeiern anbietet. 

Fotos: Tesch