Draßmarkter Projektmanager will Bürgermeistern bei Ortskernbelebung helfen. Foto: Gemeinde Draßmarkt

Es kann ein geschlossenes Gasthaus sein, eine verwaiste Auslage oder eine abbröckelnde Fassade am Hauptplatz. DI Gerhard Schlögl weiß, wo vielen Bürgermeistern der Schuh drückt. Der studierte Landschaftsplaner und internationale Projektmanager aus Draßmarkt ist im Zuge seiner Beratertätigkeit in mehr als 35 Gemeinden immer wieder mit einer Frage konfrontiert worden: „Wie können wir es schaffen, dass unser Ortskern nicht ausstirbt, dass das Dorfzentrum wieder auflebt?“

Nun will der 55-jährige Schlögl aus dieser Not ein Projekt machen. „Ich möchte im Bezirk einen Ideenwettbewerb starten. Ich werde alle Bewohner und die Verantwortungsträger in den Gemeinden aufrufen, Ideen für die Lösung dieses zentralen Anliegens zu entwickeln“, sagt Gerhard Schlögl und er hofft dabei auf eine rege Beteiligung: „Es sollte eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit entstehen. Was bei Wasser, Abwasser oder Müllabfuhr funktioniert, das sollte doch bei anderen wichtigen Anliegen auch möglich sein.“

Musterbeispiel in Draßmarkt

Als Musterbeispiel für eine Ortskernbelebung nennt Schlögl das Unternehmen „Anna kocht“ in Draßmarkt. Anna Kornfeld hat vor 13 Jahren ein leerstehendes altes Bauernhaus im Ortszentrum gekauft und einer neuen Nutzung zugeführt. Die leidenschaftliche Köchin hat einen Gastgewerbebetrieb gegründet. Heute betreibt sie ein Heurigenlokal und auch ein Partyservice/Catering mit Hausmannskost wie gebackenen Surschnitzerln bis zu kreativen Burger-Spezialitäten.

„Vielleicht finden sich im Bezirk noch 15 weitere Beispiele, mit denen alte Bausubstanz erhalten und Leben in den Ortskern gebracht werden kann“, fragt sich der Projektmanager.

Potenziale nützen

„Schön wäre es, wenn zum Beispiel 10 der 28 Gemeinden mittun würden; es können Bürgermeister sein beziehungsweise initiative Privatpersonen oder Kleingruppen“, wünscht sich Schlögl, der bei diesem Ideen-Wettbewerb brach liegendes „Kapital“ aktivieren möchte: „Das Potenzial der zugezogenen neuen Dorfbewohner wird viel zu wenig ausgeschöpft. Diese ‚Zua-
groasten’ betrachten ihr neues Zuhause oft mit großem Interesse und wohlwollender Distanz.“ Wobei Schlögl auch eine Chance für die neu Zugezogenen sieht, auf sich aufmerksam zu machen.

Vielen Gemeinden drückt der Schuh, aber erst vereinzelt tun sie etwas dagegen. Aktiv geworden ist Draßmarkt. Anfang Oktober hat die Gemeinde Studenten der Universität für Bodenkultur in der Gemeinde zu einer Ideensuche für eine Ortskernbelebung eingeladen.

Studenten suchen Ideen

Die angehenden Landschaftsplaner hat man gebeten, Ideen für eine Umgestaltung und Attraktivierung des Ortszentrums zwischen Kirchenberg, Pfarrhof und dem neuen Gemeindezentrum zu erarbeiten. Auch soll herausgefunden werden, welche technische Infrastruktur der Kirchenberg künftig braucht und wie der leerstehende alte Pfarrhof genutzt werden kann. Ideen, Anregungen und Wünsche der Draßmarkter haben die angehenden Landschaftsplaner schon gesammelt. Bürgermeister Anton Wiedenhofer rechnet mit konkreten Ideen im Jänner: „Die Gemeinde und die Bevölkerung freuen sich auf interessante Vorschläge der internationalen Studentengruppe. Vor allem, weil sie auch einen ‚Blick von außen’ auf die Gemeindeentwicklung einbringen.“

„Ideen-Verband“

Gerhard Schlögl kennt die Schwierigkeiten und großen Hemmschwellen bei solchen Ideen-Wettbewerben: „Die aktive Bürgerbeteiligung ist bei uns nicht so selbstverständlich wie zum Beispiel in Vorarlberg. Aber sie sollte versucht werden. Gerade weil das Problem der aussterbenden Ortskerne praktisch überall vorhanden ist und es sich nicht von alleine löst.“

Im Idealfall würde seiner Meinung nach daraus ein finanziell gefördertes Leader-Plus-Projekt LAG entstehen, das ein bis zwei Jahre lang gezielte Aktivitäten setzt. Die Bürgermeister würden einander treffen und fachliche Unterstützung bekommen, die Bewohner würden die Chance zum Mitreden erhalten. „Ein lebendes Ortszentrum ist sehr bedeutend für die Gemeinden, weil es die Attraktivität des Ortes stärkt – in wirtschaftlicher Hinsicht und auch in Bezug auf den inneren Zusammenhalt“, argumentiert der Projektmanager und denkt an die positive Stimmung, die allein bei der Diskussion von Lösungsvorschlägen entstehen könnte.

DI Gerhard Schlögl

Foto: Tesch