Foto: Spar Österreich, ZOOM VP.AT

Die zwei Großen im österreichischen Lebensmittelhandel bauen in der Region aus. Der EUROSPAR-Markt in Horitschon steht schon bald als Rohbau, und Rewe beginnt in wenigen Monaten in Weppersdorf mit dem Bau des ersten MERKUR-Marktes zwischen Eisenstadt und Oberwart.

Großbaustelle mitten in Horitschon. Vis-à-vis von Gemeindeamt und Gasthaus Lazarus drehen Betonmischwagen die Runden. Ein Rohbau wird hochgezogen. Auf einer Fläche von der Größe eines halben Fußballfeldes errichtet SPAR Österreich einen modernen EUROSPAR. „Der jetzige SPAR-Markt mit 800 Quadratmetern ist zu klein geworden. Er wird durch einen modernen und größeren Markt-Typus mit 1.450 Quadratmetern Verkaufsfläche ersetzt“, schildert Spar-Kaufmann Hannes Supper das Bauprojekt. Der Deutschkreutzer Supper wird über eine GmbH auch beim EUROSPAR als Franchisenehmer von Spar Österreich der Betreiber sein: „Und auch der erfolgreiche Marktleiter bleibt – mit sehr viel Selbständigkeit.“

Größeres Angebot

Eröffnet wird Anfang Dezember, kündigt Hannes Supper an: „Die Kunden werden viel attraktivere Bedingungen vorfinden als heute. Sie können sich auf einen übersichtlichen, hellen Markt freuen, der Frische und Regionalität in den Vordergrund stellt – mit großen Bedienungsabteilungen, wie das bei Spar üblich ist.“ In den Regalen werden inklusive der Produkte aus der Region zwischen 16.000 und 17.000 Artikel angeboten. „Von allem wird es eine größere Auswahl geben und zusätzlich mehr Non-Food-Artikel. Wir werden zum Beispiel Elektrokleingeräte im Geschäft haben, wie Fön, Mikrowellengeräte oder Staubsauger, aber auch Geschirr oder Tiernahrung.“ Für den neuen Markt wird die Mitarbeiterzahl auf 35 erhöht.

EUROSPAR bleibt weiter Post-Partner, erklärt Supper, „weil dieser Service die Kundenfrequenz erhöht“. Eine Kaffee-Ecke wie im Deutschkreutzer Spar-Markt ist nicht eingeplant.

Baubeginn Anfang 2020

MERKUR plant in Weppersdorf einen Markt mit einer Verkaufsfläche von ca. 1.200 Quadratmetern. Der Verbrauchermarkt der Rewe Group wird dort – nach eigenen Angaben – 15.000 Produkte anbieten und voraussichtlich 40 bis 45 Mitarbeiter beschäftigen. Baubeginn ist im Frühjahr, die Markteröffnung ist für Mitte des nächsten Jahres vorgesehen. Im neuen MERKUR steht das Marktplatzkonzept im Mittelpunkt mit starkem Fokus auf Frischeprodukte wie Obst und Gemüse oder Fleisch.

Über die konkreten Erwartungen durch die Investition will der Rewe-Konzern derzeit noch nicht sprechen. Rewe kennt jedenfalls den Standort Weppersdorf gut. Hat doch Billa, auch ein Unternehmen der Gruppe, erst vor einem dreiviertel Jahr in Sichtweite des Projektes einen modernen Markt mit 1.000 Quadratmetern neu errichtet.

Attraktiv für Betriebe

Der Weppersdorfer Bürgermeister Erich Zweiler hat für neue Betriebe ein eigenes Ansiedlungsgebiet am Ortsrand erschließen lassen, die Gemeinde nimmt – inklusive für Vorfinanzierungen – an die zwei Millionen Euro für die Infrastruktur an Krediten auf. MERKUR und die Betriebserweiterung des 40-Mitarbeiter-Betriebes Electro Romwalter sind fix. Und die Bäckerei Gradwohl hat vis-à-vis des MERKUR-Marktes Grund gekauft. „Auf der anderen Straßenseite baut ein KFZ-Betrieb. Und zehn Hektar sind noch möglich für die Erweiterung“, erzählt Bürgermeister Zweiler, der auch an ein mögliches Fachmarktzentrum denkt, bei einem Lokalaugenschein. „Ich erhoffe mir für Weppersdorf insgesamt zumindest 100 Arbeitsplätze hier im neuen Betriebsansiedlungsgebiet.“

Mehrzweckgebäude neben Supermarkt

Auch in Horitschon ist der EUROSPAR nicht alleiniger Nutzer der großen Fläche im Ort. Der Eigentümer Michael Leier, Gründer und Chef einer internationalen Firmengruppe in der Baustoffindustrie, verpachtet einen Teil der Fläche an SPAR, ein großer Teil ist Parkplatz, und ihm selbst schwebt ein Gebäude für unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten vor. „In Planung ist ein dreigeschossiges Gebäude. Angedacht sind Ordinationen für Ärzte, Räumlichkeiten für die Polizei, Büros und ein kleines Kaffeehaus“, erklärt Leier, dessen unternehmerischer Erfolg vor 54 Jahren mit einem SPAR-Geschäft in Horitschon begonnen hat.

Große Hoffnungen

Die beiden Ortschaften allein sind es nicht, die die mächtigen Handelsunternehmen zur Vergrößerung und zur Neuansiedelung animieren. Weppersdorf selbst hat nur knapp 1.000 Einwohner, liegt jedoch verkehrstechnisch sehr gut. Auf dem Standort Horitschon – das selbst nur 1.350 Einwohner hat – schöpft SPAR jetzt schon erfolgreich aus dem Kundenpotenzial der umliegenden Ortschaften. Für beide Märkte, speziell den neuen MERKUR in Weppersdorf, zählt als Einzugsgebiet die gesamte Region bis zur ungarischen Grenze und hinein in die Bucklige Welt sowie die Kaufkraft der Arbeitspendler aus dem benachbarten Ungarn.

Pro und Kontra

Die Kunden freuen sich auf die neuen Supermärkte. Konkurrenz vergrößert die Auswahl, und oft fallen dadurch auch Preise. Solche Großprojekte werden aber auch kritisiert. Hauptkritikpunkt der zusätzlichen Verkaufsflächen ist, dass diese den alteingesessenen Lebensmittelgeschäften in den kleinen Ortschaften der Region die letzten Kunden und Umsätze wegnehmen.

Argument dagegen: Die Nahversorgung in den Dörfern leidet nicht erst mit den geplanten Märkten. Viele Bewohner haben jetzt schon in ihrem Dorf keine Einkaufsmöglichkeit für Lebensmittel mehr. Und die neuen Supermärkte setzen auf das, was die Kunden offensichtlich wollen: auf Qualität, Regionalität und Saisonalität. Um eine Minimalversorgung für die nichtmobilen Bewohner zu gewährleisten,  bräuchte es innovative Ansätze der Gemeinden und ein überlegtes Reparaturkonzept.

Unbestritten ist, dass die Einkaufsmöglichkeiten im Bezirk mit den zwei Supermarktprojekten mehr und deutlich attraktiver werden. Und auch die Zahl der Arbeitsplätze steigt. Zwei Bürgermeister freut es, zig Jobsuchende und Tausende Kunden auch.

Weppersdorf

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Der Weppersdorfer Bürgermeister auf dem neuen Betriebsansiedlungsgebiet. Er hofft mit Merkur und anderen Betrieben auf mehr als 100 Arbeitsplätze.