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„Burgenland Mitte“-Exklusiv-Interview mit WK-Burgenland Präsident Ing. Peter Nemeth
Die Zuversicht kehrt zurück Drucken E-Mail
Helmut Gillinger   
Donnerstag, 19. November 2009
Die Zuversicht kehrt zurück 3portraits_87.jpgBurgenland Mitte: Herr Präsident, wir stehen schon fast am Ende des Jahres 2009. Können Sie einen aktuellen Rückblick zur burgenländischen Wirtschaft machen? Wirtschaftskrise vorbei? Erwartungen für das Weihnachtsgeschäft?


Präs. Nemeth: Insgesamt ein durchwachsenes Jahr. Das Exportgeschäft hat stark gelitten - etwa minus 30 %. Hier haben wir erst kürzlich eine qualifizierte Exportberaterin installiert, damit betroffene Firmen auf kurzem Weg eine direkte Beratungsmöglichkeit haben. Der Handel in den Bereichen Lebensmittel, Bücher und Spielwaren hat sich relativ gut über das Jahr gerettet und teilweise sogar Zuwächse erzielt. Das schmerzliche „Aus“ für Quelle Österreich ist eine Konsequenz  des Konkurses der deutschen Mutter, bedeutet aber  über 1.000 Arbeitslose mehr für Österreich. (Quelle betreibt im Burgenland 8 Franchise-Läden. Anm.d.Red.). Burgenlands Tourismuswirtschaft verzeichnet ein Plus um etwa 2 % und ist damit an der Spitze aller Bundesländer. KMU und  EPU sind gut unterwegs, auch weil sie auf Grund ihrer Kleinheit flexibel und rasch auf die Anforderungen des Marktes reagieren können. Die Sparguthaben der Österreicher  und der Burgenländer sind ja gut, man wird sehen, ob die Krisenangst durch die Weihnachtswünsche kompensiert werden kann, zumal die Zinsen auf Bankguthaben ja derzeit nicht berauschend sind. Die Wirtschaftskrise ist im Griff, vorbei dürfte sie aber auch 2010 nicht sein. Unsere burgenländischen Betriebe werden diese Herausforderung mit Umsicht und Leistungswillen meistern.

BM: Ihr Unternehmen betreibt  ein Autohaus in Eisenstadt mit angeschlossener Werkstätte. Hat die Verschrottungsprämie Positives erbracht und wie geht es weiter? Was sagen Sie zum Rückzieher von General Motors?

Präs. Nemeth: Ich habe immer gesagt, dass General Motors die Rechte an Opel nicht verkaufen  wird. Auch als schon bei Magna gejubelt wurde. Es wird daher ein schmerzlicher Prozess folgen, auch für die Standorte in Deutschland. Das Motorenwerk in Österreich dürfte davon verschont bleiben. Die Verschrottungsprämie hat uns eines der besten Geschäftsjahre gebracht, wir sind damit sehr zufrieden. Allerdings ist derzeit die Nachfrage trotz Weihnachtsstimmung sehr schwach. Ich fürchte, wir werden uns 2010 im Neuwagen-Verkauf sehr anstrengen müssen, auch weil die Kundenwünsche eindeutig in Richtung Klein- und Kleinstfahrzeugen gehen. Der Preis, die Erhaltung  und der Betrieb spielen eine wichtige Rolle, wie etwa  Benzin und Dieselpreise.

BM: Da wären wir ja bei einem Thema, das seit Monaten im Burgenland aktuell ist, nämlich die Landestankstellen. Jetzt ist auch ein privater Betreiber, die Fa. Plöchl in Weppersdorf als Partner der Landestankstellen auf diesen Zug aufgesprungen. Warum wollen Sie Klage einbringen?

Präs. Nemeth: Also nicht die WK Burgenland klagt, sondern der Verband gegen unlauteren Wettbewerb überlegt das. Wir als Kammer haben natürlich im Interesse unserer Mitgliedsfirmen Erhebungen und Marktbeobachtungen gemacht. Auch den vielzitierten „Pendler-Hunderter“ wird es nicht geben, jedoch eine klare Absage gegen Wettbewerbsverzerrung. Mit diesen Dieselpreisen kann nämlich kein Unternehmer sein Auslangen finden, auch nicht das Land Burgenland. Der Dieselpreis muss daher gestützt sein. Was die Fa. Plöchl betrifft, hat diese den Werbeeffekt für sich genutzt.

BM: Zwei große Banken sind trotz Finanzspritze vom Staat in der Krise und brauchen neues Geld.  ÖGB-Präsident Foglar möchte lieber ein drittes Arbeits- Konjunkturpaket. Was meinen Sie? Banken oder Wirtschaft.

Präs. Nemeth: Auch die Banken sind Wirtschaft und ohne Geld der Banken geht auch in der Wirtschaft nichts. Natürlich geht es auch um die Risikoverteilung, daher sind die Banken restriktiver und wenden Basel II an. (Basel II ist eine verschärfte Bonitätskontrolle der Kreditwerber, Anm.d.Red).  Wir  unterstützen gerade EPU und KMU in der Neugründung, weil hier oft großartige Unternehmensstrategien eine finanzielle Bedeckung brauchen. Banken und Wirtschaft sind also keine Gegensätzlichkeit,  sondern gehören zusammen.

BM: LH Hans Niessl garantiert jedem Jugendlichen im Burgenland einen Lehr- oder Ausbildungsplatz. Wie stehen die Ausbildungsfirmen dazu, bleibt die duale Ausbildung?  Wird Lehre mit Matura  angenommen?

Präs. Nemeth: Die heutigen Lehrlinge sind die Meister und Entscheidungsträger der Zukunft. Unsere Lehrbetriebe geben daher der Jugend zu jeder Zeit  jede Chance. Gerade jetzt hat die WKO – auch im Burgenland – in Kooperation mit WIFI, AMS und Kronen Zeitung eine Lehrstellen-Hotline eingerichtet. Beim AMS gibt es dazu eine Hotline für Jugendliche: 0800 500 150. Auch das WIFI-Burgenland bietet eine Fülle an Weiterbildungs-Möglichkeiten für Jugendliche an. Unsere duale Lehr-Ausbildung ist europaweit Vorbild, Lehre mit Matura wird sehr gut angenommen, auch die Fachhochschulen sind begehrtes Ziel vieler Jugendlicher.

BM: Finanzminister Josef Pröll hat für 2010 ein auch von der EU prognostiziertes Wirtschaftswachstum von etwa 1 Prozent bekanntgegeben. Was raten Sie der Unternehmerschaft im Burgenland?

Präs. Nemeth: Die Krise ist damit nicht vorbei. Jedenfalls ist Österreich  aber einmal aus der Rezession. Im Burgenland sind einige Wirtschaftsparameter  besser als in den restlichen Bundesländern. So hat die burgenländische Wirtschaft nur wenige Betriebe in Kurzarbeit (österreichweit 294), im Bauwesen verzeichnet das Burgenland nach Wien ein Plus von 3,2 %, auch Tourismus und Dienstleistung verzeichnen ein Plus. Die Arbeitslosenquote steigt derzeit auch im Burgenland, aber deutlich schwächer als im Österreichschnitt. Somit haben wir gute Karten, 2010 den Rest der weltweiten Krise positiv zu schaffen.

BM: Anfang März 2010 sind burgenländische Kammerwahlen. Werden Sie wieder kandidieren?

Selbstverständlich sind wir wahlwerbende Gruppe. Wir waren in der abgelaufenen Periode sehr fleißig, die Betriebe haben unsere Arbeit  gelobt. Wenn jetzt alle den Wähler umwerben sei ihnen das unbenommen, wir als ÖVP-Fraktion haben Jahr für Jahr für unsere burgenländischen Betriebe gearbeitet und sind den Betrieben beigestanden. Das wollen wir auch in Zukunft tun.

Herr Präsident, danke für das Gespräch und alles Gute.
 
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