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Von Strebersdorf aus wird die Römische Geschichte Österreichs neu geschrieben - Völlig neue Erkenntnisse über die Funktion der römischen Armee
Militärischer Sensationsfund! Drucken E-Mail
Edith Wieser-Mayrhofer   
Montag, 28. September 2009
Aus 30 m Lufthöhe vom Korb der Feuerwehrleiter sieht man  wenig Spektakuläres. Aber nur auf den ersten Blick … denn die Erde bei Strebersdorf hat nach dem Vorjahresfund der größten bekannten römischen Siedlung in Strebersdorf und Frankenau eine weitere sensationelle Entdeckung preisgegeben -  den Fund dreier übereinanderliegender römischer Militärlager.

Militärischer Sensationsfund! 34strebersdorf.jpgModerne geophysikalische Messungen haben eine Sensation unter der Erde bei Strebersdorf geortet: das älteste, schon lange gesuchte Lager einer Reitereinheit in Ostösterreich. Foto: Rekonstruktion eines Lagers mit Holzbauten und Palisaden.
©: LWL-Römermuseum in Münster/Westfalen (Deutschland)


Wir sind im 1. Jahrzehnt nach Christus. Über Carnuntum liegt dichter Auwald. Kavallerieeinheiten, die Reiter-Elitetruppen der Römer, werden nach Norden entsandt, um Gebiete, die noch keltisch waren, römisch aufzuschließen und zu besetzen und damit auch den Schutz der Hauptrouten des römischen Straßennetzes, der Bernsteinstraße, zu gewährleisten. Dieses Gebiet sollte von nun an über Jahrhunderte Schauplatz von römischen Offensiven gegen Kelten und Germanen,  die in das römische Reich drängen, und deren Gegenoffensiven  werden. Dafür haben die Römer einen strategisch überaus günstigen Ort gewählt, den zwischen dem heutigen Strebersdorf und Frankenau/Frakanava - einen Tagesritt von der Grenze und einen Tagesmarsch von den entstehenden Städten Scarbantia (Sopron) im Norden und Savaria (Szombathely). Auch galt es im Gebiet den Abbau des reichen Eisenerzvorkommens  (Raseneisenerz mit 80 Prozent Eisenerzgehalt) als militärische Ressource zur Waffenproduktion zu schützen und zu kontrollieren.

Geschichtspuzzle - Stück für Stück in eine Neubewertung der Geschichte
2000 bzw. 1500 Jahre danach fügt sich ein historisches Puzzle zum anderen.  Die Vogelperspektive vom Korb der Feuerwehrleiter gibt  zum ersten Mal den Blick wieder frei auf die Trassenzüge der Bernsteinstraße zwischen  Strebersdorf und Frankenau und auf die Umrisse des ältesten der drei Militärlager.
„Dabei“ - so Grabungsleiter Dr. Groh - „war  nach dem ‚Hurra‘ der Entdeckung der 10 ha großen Siedlung im Vorjahr nicht eindeutig klar, welchem Zweck denn die Siedlung gedient hatte.“

Militärbasis und „Ruhrpot“ der Römer
Dass sie von militärischer Bedeutung war, wurde erst nach Funden  und weiteren geophysikalische Messungen wissenschaftlich untermauert. Es wurden drei Militärlager geortet, die zeitlich versetzt übereinander angelegt wurden. Das erste von ihnen wurde zu Beginn des 1. Jahrhunderts von römischen Hilfstruppen errichtet, die bei der Landnahme Pannonien auch die Bernsteinstraße von Süden nach Norden angelegt haben. In den Verfüllungen dieses Grabens wurden Beschläge von Pferdegeschirr gefunden, die das bestätigen. 
Die Lager waren mit 1 m tiefen und 3 m breiten Gräben sowie einer Wallanlage mit Palisaden gesichert. Im Laufe der Zeit verkleinerte man das Lager von 2,2 auf 0,7 ha. Die Gebäude im Inneren der Lager sind aus Holz (Mannschaftsbaracke, Kommandantenhaus, Getreidespeicher). Rund um die Militärlager sind mehrere Ofenbatterien zu erkennen. Schmelzöfen zur Eisenverhüttung wurden in der Nähe der Bäche mit ca. 60 m Abstand zur Siedlung und zum Lager gebaut. „Die Schmelzöfen hatten einen riesigen Bedarf an Holz, was die Landschaft sicherlich nachhaltig in ihren Ökosystem beeinflusste“, so Doz. Dr. Stefan Groh.
Mit diesem Fund ist das  internationale Bernsteinstraßenprojekt des Österreichischen Archäologischen Institutes (ÖAI) als länderübergreifende Kooperation mit Ungarn, Slowenien und der Slowakei  um einen Sensationsfundort reicher, für das Tourismusgebiet Mittelburgenland eröffnen sich ungeahnte Perspektiven für Tourismus, Wirtschaft und Region.

Militärischer Sensationsfund! 34strebersdorf2.jpgWissenschaftsminister Johannes Hahn mit Grabungsleiter Dr. Groh und Landesrat Helmut Bieler  - Ausblick auf eine archäologische Sensation.

 
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