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Gidon Kremers Donnerschlag |
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Rosemarie Szirmay-Wenzelburger
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Donnerstag, 23. Juli 2009 |
Das 28. Internationale Kammermusikfest in Lockenhaus steht vom 9. bis 19. Juli unter dem Motte: “Haydns Welt ist unsere Welt“
Gidon Kremer
Geigengroßmeister Gidon Kremer hat gemeinsam mit Monsignore Pfarrer
Josef Herowitsch vor 27 Jahren Lockenhaus zum Internationalen Zentrum
für Kammermusik gemacht.
Durch die hügelige, idyllische Landschaft des Mittleren Burgenlandes,
vorbei an Oberpullendorf, Unterrabnitz und Pringsdorf, liegt die
geheimnistragende, mächtige Templerburg Lockenhaus. Die Sommerluft
vibriert, Pferde auf den Koppeln scheinen wie ein lebendig gewordenes
Gemälde, keine Autos oder Menschen auf der Straße. Durch das Bachbett
buckelt braunes Hochwasser, Gerümpel mitreißend.
Die Parkplätze rund um die Hauptschule sind überfüllt. Im
Turnsaal findet eine Pressekonferenz statt. Matthias Mayr, der
künstlerische Geschäftsführer dieses Jahres, befindet sich auf den Weg
ins Pfarrhaus.
Die Bühne soll für Gidon Krämer da sein. Er, Matthias Mayr sei zu
schüchtern, wagt es nicht, auf dem Podium Platz zu nehmen, sei kein
Bühnenmensch, so seine bescheidene Aussage gegenüber Burgenland Mitte.
Regen - Donner - Wetter - Blitz
„Spontaneität heißt das Konzept: Gemäß einer „Lockenhauser Eigenheit“ werden traditionellerweise die Konzertprogramme frühestens 48 Stunden vor Konzertbeginn bekannt gegeben.
Der Grund ist ungewöhnlich, doch verständlich: hier wird gemeinsam an den Programmen gearbeitet, werden Kompositionen ausgesucht und wieder verworfen, Werke abgesagt und schließlich doch aufgeführt. Ensembles finden eigens für eine Komposition zusammen, fixe Gruppierungen lösen sich auf und mischen sich mit eben kennen gelernten Musikern.
Nichts bleibt unangetastet, alles darf ausprobiert werden. In Lockenhaus zählt nicht nur die Einzelleistung, in Lockenhaus wird der Gemeinschaftsgeist großgeschrieben, entsteht Jahr für Jahr eine Familie, die den Rahmen des üblichen Konzertbetriebs sprengt.“
Nachzulesen unter www.kammermusikfest.at
Geigengroßmeister Gidon Kremer, scheint verärgert, fühlt sich ausgegrenzt, stellt den nicht anwesenden jungen Stellvertreter Matthias Mayr ins Fegefeuer, in eine Form von Inquisition, oder ist dies ein Schachzug des charismatischen Gidon Kremer?
Hochspannung im Turnsaal, als ginge es um ein Weltmeisterspiel des Weltklassespielers Kremer. An seiner Seite Prof. Monsignore Pfarrer Josef Herowitsch.
Burgenland Mitte meldet sich zu Wort:
„Ich war bei der Pressekonferenz in Eisenstadt. Die Wertschätzung und der Respekt, mit welchem Matthias Mayr über Sie sprach, waren beeindruckend. Fast kommt einem der Gedanke, dass dieser junge Künstler Sie zur Ikone erhebt. Ist diese Situation hier und jetzt vielleicht wie ein Vater und Sohn – Konflikt zu verstehen?“
Nach dem Applaus des Publikums verteidigt sich der Großmeister, dass sein Kind „Lockenhaus“ heißt und Pfarrer Herowitsch gesteht, dass er ohne die Hilfe durch Matthias Mayr das Festival nicht geschafft hätte. Plötzlich ist der Donner leiser, der Blitz schwächer, das Wetter durch den Regen sanfter geworden.
Weltberühmter Trafalgar Square aus London für Momente in Lockenhaus
Sollte diese Pressekonferenz, durch Einbezug von geschätzten 400 Teilnehmern tiefgründige Diskussionen auslösen? Vielleicht nach dem Muster des weltberühmten Trafalgar Square in London, um über das Wesen von Ruhm und Begabung, von Kunst und Meditation nachzudenken? In einer Zeit wie dieser, wo die Menschen sich den Finanz- und Naturgewalten ausgesetzt fühlen, um so auf den Sinn von Kunst und Kultur, zu einer göttlichen Musik hingeführt zu werden?
Wer kennt nicht den Theaterdonner, der oft großen Künstlern zu Eigen ist, wie eine Beschwörung, damit die Veranstaltung gelingen möge.
Oder war diese explosive Energie nichts anderes, als ein brillanter Schachzug des Großmeisters Gidon Kremer, um die Augen der Presse auf Lockenhaus zu richten? Wenn ja, dann wäre sein Regen-Donner-Wetter-Blitz - Diskurs mit Raffinesse und rhetorischem Geschick ein neuer Weg, um den bisher unbekannten Matthias Mayr an seine Seite zu heben.
Eines ist sicher: Es war keine gekränkte Eitelkeit, sondern eine geniale Managementidee, denn Gidon Kremer weiß, dass sein Geist über Zeit und Raum hinweg immer mit Lockenhaus verbunden sein wird. Aus diesem Blickwinkel kann man den Slogan 2009 „Haydns Welt in unsere Welt“ mit „Kremers Welt in unsere Welt“ ergänzen.
Gidon Kremer mit Bürgermeister von Lockenhaus, Werner Brenner

Pfarrer Herowitsch tröstet Matthias Mayr
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